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Scheherazade - The One Thousand and One Nights RPG
Publisher: SpaceOrange42
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 01/10/2020 04:22:27

https://www.teilzeithelden.de/2020/01/10/ersteindruck-scheherazade-rollenspiel-aus-tausendundeiner-nacht/

Noch sind die Nächte lang und kalt – die beste Zeit, sich mit Fantasie (und einer Kanne Tee) in wärmere Gefilde zu versetzen. Scheherazade ist ein Rollenspielsystem für Geschichtenerzählerinnen, Märchenonkel und andere Fans von Fabeln aus dem Morgenland, das auf narratives Spiel und exotisches Flair setzt.

Europäische Sagen und Märchen sind die Hauptinspirationsquelle vieler klassischer Fantasy-Rollenspiele – an morgenländische Märchen erinnernde Szenarien kommen oft höchstens als Nebenschauplatz oder exotisches Heimatland des einen oder anderen Charakters vor. Dabei sind die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht und an sie angelehnte orientalisierende Märchen seit gut drei Jahrhunderten in Europa bekannt und sehr beliebt. Von fliegenden Teppichen, Wünsche erfüllenden Flaschengeistern, Sindbad dem Seefahrer und Ali Baba haben wir wohl alle schon einmal gehört – und viele auch eine relativ gute Vorstellung, wie sie in ein Rollenspiel-Setting einzufügen wären. Was läge also näher, als ein ganzes Rollenspielsystem darauf aufzubauen?

Die Spielwelt Die Welt von Scheherazade ist – wenig überraschend – die der Märchen aus Tausendundeiner Nacht: angesetzt in einer phantastischen Version vom Bagdad des islamischen Mittelalters, in der die schöne Scheherazade in den Fängen des grausamen Kalifen Shahryar Nacht für Nacht Geschichten erzählt, um ihr Leben zu retten. Im Märchen ist der Kalif nach eintausendundeiner Nacht so weit besänftigt, dass er davon absieht, Scheherazade am Morgen zu töten und sie stattdessen heiratet. Das Rollenspielsetting weicht hier vom Quellenmaterial ab. In Scheherazade ist die Titelheldin in einen magischen Schlaf verfallen, und die Charaktere sollen sie retten, denn andernfalls wird das Kalifat untergehen und eine Armee böser Dschinns möglicherweise Einwohnerinnen und Einwohner heimsuchen. Letzteres wird allerdings nur angedeutet.

Der Einstieg in die Spielwelt erfolgt in Form einer Geschichte, die die Spielenden quasi mitten ins Geschehen wirft. Diese Rahmenhandlung ist als Vorschlag für einen Kampagneneinstieg vorgesehen, jedoch ist es nicht zwingend notwendig, sich daran zu orientieren. Das Setting bietet auch eine große Bandbreite an Möglichkeiten für unabhängige One-Shots. Bagdad, die Prächtige, die im Einstiegstext kurz beschrieben wird, ist die Hauptstadt des „Kalifats des Ewigen Mondes“, eines ebenso mächtigen wie märchenhaften Reiches, das den gesamten Vorderen Orient von Ägypten bis nach Indien umfasst. Darin können geneigte Spielgruppen alles erleben, was in den Märchen aus Tausendundeiner Nacht, den daran angelehnten Geschichten von Wilhelm Hauff und deren popkulturellen Adaptionen von Isnogud bis Prince of Persia vorkommt: wilde Verfolgungsjagden auf fliegenden Teppichen, Kämpfe mit bösartigen Ifriten, verschlagenen Magiern oder reanimierten ägyptischen Mumien, Schatzsuchen in den uralten Tempeln vergangener Kulturen und Ärger mit daraus resultierenden Flüchen. Alles, was in ein orientalisches Setting passt, ist erlaubt und erwünscht, historische Akkuratesse nicht zwingend notwendig. Das Setting ist als „Teen“, also „familienfreundlich“ und nicht wirklich für düstere Horrorkampagnen oder allzu realistische Szenarien vorgesehen. Die Beschreibung hält sich weniger mit Details der Welt auf, sondern verweist auf die Inspirationsquellen und appelliert an die Fantasie der Spielleitung.

Da das angesprochene Publikum wie der Autor Umberto Pignatelli eher europäischer Herkunft ist und die wenigsten Interessierten einen Hintergrund in arabischer Literaturgeschichte haben werden, bleibt das Ganze natürlich ein wenig stereotyp. Das stört erst mal nicht wirklich, könnte aber dazu führen, dass irgendwann die Ideen rar werden. Also eher eine Wahl für Kurzkampagnen, Spontanrunden und Cons – dafür eignet sich die Welt allerdings hervorragend, da nicht viel erklärt werden muss. Der Einstieg erfolgt in Form einer Geschichte, die die Spielenden quasi mitten ins Geschehen wirft: Darin führt der blinde Bettler Ali den Charakter (oder die Charaktere) durch den geschäftigen Basar von Bagdad in die größte Bibliothek der Stadt, wo sie ein geheimnisvolles Buch finden, in dem … aber davon ein anderes Mal.

Die Regeln Scheherazade ist eine Märchenwelt, in der heroische Aktionen belohnt werden und Realismus nicht das Hauptanliegen ist. Dementsprechend ist auch das Regelsystem eher auf narratives Spiel als auf Würfelergebnisse ausgerichtet. Ein bisschen Würfeln ist allerdings schon vorgesehen. Dafür brauchen die Beteiligten je ein Dutzend W6, von denen einer als „Schicksalswürfel“ erkennbar sein muss (also etwa eine andere Farbe oder Größe haben sollte als der Rest). Er wird mit jedem Wurf mitgewürfelt und sorgt für zusätzliche Konsequenzen, unabhängig vom allgemeinen Ergebnis. Wenn er eine 1 zeigt, ergibt sich eine negative Konsequenz, bei einer 6 ein Bonus.

Gewürfelt wird mit Pools, die sich in der Regel aus zwei Attributen des Charakters berechnen. Jede 4, 5 und 6 zählt als Erfolg, niedrigere Ergebnisse als Misserfolg. Die Anzahl an Erfolgen wird mit einem Schwierigkeitsgrad verglichen, wenn dieser erreicht ist, gilt die Aktion als geschafft. Je weiter die Anzahl an Erfolgen den Schwierigkeitsgrad übersteigt, desto mehr zusätzliche positive Konsequenzen ergeben sich aus dem Wurf. Umgekehrt gilt das auch für negative Konsequenzen, wenn der Schwierigkeitsgrad weit verfehlt wurde. Bestimmte Umstände, Hilfsmittel, Beschreibungen oder Ideen können den Schwierigkeitsgrad herunter- oder heraufsetzen. In speziellen Fällen kann eine Aktion selbst dann als erfolgreich gelten, wenn sie um einen Würfel nicht erreicht wurde – dann allerdings mit einer Nebenwirkung nach Ermessen der Spielleitung.

NPC, gegen die gekämpft wird, zählen ebenfalls als Schwierigkeitslevel. Jeder Erfolg, der das Gegnerlevel übersteigt, zählt als ein „Effekt“, also entweder ein Schaden, der dem Gegner zugefügt wurde, oder eine Aktion, die die Gegenseite behindert oder zurückwirft. Die Kampfregeln sehen außerdem vor, den Schauplatz eines Kampfes in verschiedene Zonen einzuteilen, die helfen sollen, die Szene zu visualisieren. Das bietet allen Beteiligten die Möglichkeit, dramatische Beschreibungen ihrer Aktionen vorzubringen und sich miteinander abzusprechen. Dies verhindert nicht nur, dass der Kampf langweilig wird, sondern wird auch mit Boni belohnt und ist ausdrücklich erwünscht.

Ein Alleinstellungsmerkmal des Systems ist der Einsatz von Geschichten in der Geschichte. Ganz im Sinne der Erzählerin Scheherazade gibt es hin und wieder die Gelegenheit, im Spiel eine Geschichte aus der Vergangenheit des eigenen Charakters, ein Märchen oder eine Fabel zum Besten zu geben. Dies hilft nicht nur bei der Charakterentwicklung, sondern kann auch ganz konkrete Vorteile im Spiel bringen. Manche mythischen Monster lassen sich durch eine gute Erzählung besänftigen und NSC sind unter Umständen bereit, etwas Wertvolles für die Kurzweil eines spannenden Seemannsgarns einzutauschen.

Charaktererschaffung

Die Charaktere sind Heldinnen und Helden mit manchmal ganz besonderen Eigenschaften. Charaktere in Scheherazade sind einfach erschaffen. Sie haben sechs Attribute, die bei Level 1 beginnen und mit 12 weiteren Punkten gesteigert werden können. Dabei handelt es sich um die Eigenschaften Stärke (Power), Präzision (Precision), Mut (Courage), Vorsicht (Caution), Leidenschaft (Passion) und Vernunft (Reason). Zusätzlich gibt es das Attribut Ressourcen, das die generelle finanzielle Situation des Charakters darstellt. Dieses startet ebenfalls auf 1, es gibt aber auch die Möglichkeit, die Eigenschaft „arm“ zu wählen, was bedeutet, dass der Charakter auf der Straße lebt und betteln muss, um sein Leben zu finanzieren, dafür aber einen zusätzlichen Punkt für andere Attribute bekommt. Aus den Attributen errechnen sich die Würfelpools für alle gewürfelten Aktionen.

Dazu wird ein grundsätzliches Konzept des Charakters gewählt – etwa „Seemann“, „Fakir“, „Amazonenkriegerin“ oder Ähnliches – und passendes Equipment ausgewählt. Jeder Charakter bekommt außerdem ein besonderes Talent. Dieses kann ganz individuell gestaltet werden, solange es mit der Spielleitung abgesprochen ist. Immerhin sind die Charaktere die Heldinnen und Helden eines Märchens, und diese haben manchmal ganz besondere Eigenschaften. Dennoch ist das Powerlevel am Anfang eher niedrig – schließlich soll das Abenteuer der Charaktere hier erst beginnen und gute Ideen sollen ohnehin wichtiger sein als riesige Würfelpools.

Erscheinungsbild Orientalisch, ornamental und ein bisschen comicartig lässt sich der Stil beschreiben, den Zeichnerin Sara Valentino für die Illustrationen des Regelbuches gewählt hat. Das Cover schmückt das Gesicht der titelgebenden Scheherazade vor dem Hintergrund des Mondes über Märchen-Bagdad. Der Großteil der Bilder im Buch zeigt Figuren, die im Setting als SC oder NSC vorkommen könnten – heilige Kriegerinnen, edle Beduinen, verführerische Odalisken, bitterböse Großwesire und mehr. Natürlich kommen dabei auch Monster aller Art und andere mögliche GegnerInnen vor. Der witzige Zeichenstil unterstreicht die heitere Stimmung des Settings und erinnert ein wenig an die TV-Serie Aladdin.

Das generelle Layout bleibt dem orientalischen Stil treu. Der Bildrand, Titelseiten und einige Überschriften sind in satten Farben und Mustern, die an Orientteppiche und arabische Architektur erinnern, gestaltet, der Hintergrund der Fließtexte ist sandfarben wie die syrische Wüste. Die gewählte Schriftart scheint ein Kompromiss dazwischen zu sein, diesen Ornamentstil zu komplementieren und dabei noch gut zu lesen zu sein, allerdings wäre es mir persönlich lieber gewesen, wenn man hier der Lesbarkeit stärkeren Vorzug gegeben hätte.

Die Inhaltsangabe des PDFs verlinkt auf die jeweiligen Seiten, Verweise auf andere Seiten im Fließtext sind allerdings nicht verlinkt. Das Dokument ist durchsuchbar.

Fazit Selten habe ich ein neues Rollenspielsystem so gerne ganz durchgelesen wie dieses. Scheherazade richtet sich ganz klar an Menschen, die gerne Geschichten erzählen oder erzählt bekommen.

Auf ungefähr 170 Seiten ist das Grundregelwerk eher kurz, was vor allem daran liegt, dass die Spielwelt nicht in zu ausufernden Details beschrieben wird. Der Autor verlässt sich darauf, dass wer an diesem System interessiert ist, genug Kenntnis des Quellenmaterials hat, um daraus mit Fantasie eigene Geschichten zu stricken. Das Regelsystem ist einfach und favorisiert narratives Spiel über Würfelorgien. Charaktere sind Ruckzuck erstellt. Eine Besonderheit, die Scheherazade von anderen Rollenspielen absetzt, ist der Einsatz von Geschichten. Sie können für gewisse Vorteile im Spiel eingesetzt werden und fördern dabei Charakterspiel und die Ausgestaltung der Spielwelt.

Der Eindruck, der vom ersten Lesen und Anspielen des enthaltenen Abenteuers zurückbleibt, ist der eines kleinen, aber feinen Rollenspiels, das sich nicht unbedingt für dauerhafte Runden eignet – außer vielleicht bei knallharten Fans orientalischer Märchen – aber für Cons oder spontane Spielabende eine schöne Ergänzung darstellt.



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[4 of 5 Stars!]
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Shadowrun 6 Grundregelwerk
Publisher: Pegasus Press
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 12/16/2019 05:31:07

https://www.teilzeithelden.de/2019/11/28/ersteindruck-shadowrun-6-grundregelwerk-die-sechste-welt-geht-in-die-sechste-runde/

Eine kontroverse Diskussion begleitet die neueste Edition Shadowruns und mit ihr kommen viele Fragen: Sind die Veränderungen sinnvoll? Ist das noch das Shadowrun, das man gerne spielt? Fakt ist, dass jede Edition Neues bringt und bringen soll – wir haben uns das Grundregelwerk angeschaut und uns selbst eine Meinung gebildet.

So schnell ging es noch nie: Die englischen und deutschen Versionen der sechsten Edition des dystopischen Sci-Fi-Fantasy-Genrehybriden Shadowrun erschienen dieses Jahr nahezu zeitgleich. Glücklicherweise konnten die Errata für den deutschen Markt schon eingepflegt werden. Außerdem gibt es ein Kapitel über die deutschen Schatten. Nachdem wir uns bereits den Schnellstarter mit gemischten Ergebnissen angesehen haben, waren wir umso gespannter auf das Grundregelwerk.

Die Spielwelt Der Beginn der Zeitlinie Shadowruns liegt im Jahre 2050. Eine nahe Zukunft, in der die Magie wiedererwacht ist und die dystopischen Ängste von nahezu allmächtigen Konzernen, Überwachung und einer gigantischen Arm-Reich-Schere wahr geworden sind. Jede neue Edition des Spiels ließ auch die Zeit im Spiel weiter vorrücken, so dass die sechste nun in den 2080ern angesetzt ist.

Verändert hat sich nicht viel, könnte man meinen, doch die Spielwelt von Shadowrun ist so vielfältig, dass selbst kleinste Veränderungen sich auswirken. Ein kurzer Überblick für jene, die Shadowrun nicht kennen, und eine Auffrischung für alte Hasen:

Die Magie ist inzwischen wieder ein Bestandteil der Welt. Dadurch, dass sie nicht mehr unterdrückt wird, gibt es Metamenschen wie Trolle, Orks und Elfen, aber auch Magieanwender verschiedenster Art. Und Drachen. Außerdem hat der Halleysche Komet zu weiteren Veränderungen verschiedener Metamenschen geführt, von Froschzungen zu noch verrückterem Zeug. Das ist noch nicht alles, aber soll an dieser Stelle genügen.

Des Weiteren gibt es auch Ghule, Vampire und allerlei andere fantastische Lebewesen, die auf verschiedenste Weise in die Spielwelt integriert sind. Diese Fantasy-Elemente werden in Shadowrun mit Sci-Fi gekreuzt und so sind modernste und futuristische Technologien auch Bestandteil der Spielwelt.

Cybergliedmaßen und Gentech gehören genauso dazu wie ein Internet 2.0 – die Matrix. Letztere ist inzwischen zwei Mal gecrasht und wiederaufgebaut worden. Es gibt eine komplexe Augmented Reality, dazu virtuelle Realität wie in unseren Träumen und sogar Matrixmagier (Technomancer). Natürlich gibt es auch Probleme mit all der Technik, wie KFS (Kognitives Fragmentiertensyndrom), bei der die Persönlichkeit eines Wirts durch eine KI überschrieben wird.

Spinrad #8. Alte Staatenstrukturen sind aufgebrochen worden und neue sind entstanden. Zusätzlich bilden Konzerne eine einflussreichere Macht, als es Staaten könnten – besonders die „Großen Zehn“. Die Konzerne kooperieren, streiten und kämpfen je nach Lust und Laune gegeneinander. Jüngst wurde NeoNET durch Spinrad Global im elitären Kreis der Triple-A-Konzerne abgelöst.

In dieser Welt spielt man die namensgebenden Shadowrunner: Kriminelle, die von ihren Auftragsgebern (Johnsons oder im deutschen Raum auch Schmidts genannt) auf „Runs“ geschickt werden.

Die Regeln Einfache Regeln hatte Shadowrun noch nie – das ist auch Teil des Reizes des Systems. Trotz zahlreicher Veränderungen können sich gerade Spieler der fünften Edition aber sehr schnell einfinden. Shadowrun nutzt ein Poolsystem, das bedeutet, es werden Würfelpools aus einem Attribut und der dazugehörigen Fertigkeit gebildet. Vier Spezialfälle verbinden zwei Attribute.

Anzeige Mit diesem Pool an sechsseitigen Würfeln, der durch verschiedene Boni und Mali modifiziert werden kann, versucht man eine Anzahl an Erfolgen, das heißt eine Fünf oder Sechs, zu würfeln – entweder gegen einen Schwellenwert (einfache Probe), also eine gewisse Anzahl an Erfolgen, oder gegen einen Widersacher (vergleichende Probe), wobei der Charakter mit den meisten Erfolgen gewinnt. Patzer entstehen, wenn mehr als die Hälfte der Würfel eine Eins zeigen, kritische Patzer, wenn dabei auch noch keine Fünf oder Sechs liegt.

Handlungen, die nicht unter Zeitdruck oder im Kampf passieren, wie das Reparieren eines Autos, sind ausgedehnte Proben. Jeder Würfelwurf repräsentiert hierbei einen Zeitintervall, und die Anzahl der Würfe bis zum Erreichen des Schwellenwertes gibt dann die Zeit an, die es dauert, die Tätigkeit erfolgreich ausgeführt zu haben.

In Shadowrun-Regelwerken werden oft ausführliche und detaillierte Erklärungen genutzt. Das ist für Einsteiger manchmal schwierig, doch für das System unabdingbar. Das Shadowrun 6-Grundregelwerk ist hierbei nicht anders als seine Vorgänger. Aufgrund des Umfangs werden wir im Folgenden nur auf die Neuerungen bzw. Veränderungen der Regeln zur Vorgängerversion eingehen.

Edge Das Motto der sechsten Edition „Riskier alles“ ist nicht nur eine leere Worthülse. Edge ist zu einer der wichtigsten Spielmechaniken geworden. War dieser Wert früher das Zünglein an der Waage oder ein Lebensretter, ist es in der sechsten Edition eine flexible Ressource mit umfangreichen Einsatzmöglichkeiten.

Ein Moment, in dem man Edge benötigt. Bei jeder Probe kann man bis zu zwei Bonus-Edge erhalten und insgesamt sind sieben Edge anhäufbar, die dann für Edge-Boosts und Edge-Handlungen ausgegeben werden sollen.

Edge- Boosts im Kampf……und Edge-Handlungen. Die Macht und das Konzept von Edge in dieser Version sind durchaus gewöhnungsbedürftig, doch wie bei vielen Änderungen müssen die tatsächlichen Auswirkungen in Spieltests ermittelt werden.

Limits, Matrixattribute und Kraftstufen Gab es in der fünften Edition noch eine Begrenzung für die Anzahl der Erfolge, die sich aus den Charakterwerten errechnete oder durch den benutzten Ausrüstungsgegenstand bedingte, fallen diese Limits komplett weg. Selbst ein ungeübter Redner kann nun ein Dutzend Erfolge beim Überreden erzielen, wenn es sein Würfelpool hergibt.

Zauber*innen sind nicht weniger mächtig, doch spielen sich deutlich anders. Diese Entscheidung kann gelobt und kritisiert werden. Ein herausragender Schütze wird nicht mehr durch eine Waffe mit niedrigem Limit eingeschränkt, was sicherlich viele freut. Gleichzeitig können aber grenzenlose und damit unberechenbare Ergebnisse erzielt werden. Wie genau sich das auswirkt, wird sich noch zeigen.

Durch das Wegfallen der Limits gibt es einige Änderungen an den Matrixattributen und auch daran, wie Rigger gespielt werden. Wie gut das funktioniert, wird sich zeigen, aber Fahrproben wirken im ersten Moment sehr schwierig.

Kraftstufen von Zaubern waren die Limits der Zaubererfolge und gleichzeitig Indikator für den Entzug. Auch diese Mechanik wurde entfernt. Alle Zauber haben einen festen Entzug, der durch eine Entzugswiderstandsprobe reduziert werden kann. Es ist aber jetzt möglich, Zauber mit einer Flächenwirkung auszustatten („Fläche vergrößern“) und den Schaden von Kampfzaubern durch „hochdrehen“ zu erhöhen. Beides steigert den Entzug.

Die Zauberregeln sind durch die Änderungen einfacher zu verstehen und niederschwelliger für Anfänger, was eine gute Sache ist. Alteingesessene Spieler werden die Flexibilität des alten Systems vermissen und gleichzeitig bemerken, dass es wesentlich schwieriger ist, sich selbst das Hirn zu grillen. Körperlichen Schaden gibt es durch Entzug erst, wenn nach der Entzugswiderstandsprobe mehr Schadenspunkte übrigbleiben, als das Magieattribut des Charakters beträgt.

Angriffs- und Verteidigungswert Der Gedanke eines schnelleren und einfacheren Kampfsystems zeigt sich am besten bei den neuen, abstrakten Angriffs- und Verteidigungswerten. Für jeden Angriff vergleicht man die beiden Werte und bestimmt damit, welcher Akteur einen Vorteil hat.

Waffen haben feste Angriffswerte für verschiedene Distanzen. Der Angriffswert wird entweder errechnet (im waffenlosen Kampf besteht er aus Reaktion und Stärke) oder bei den Waffen direkt mitgeliefert. Fernkampfwaffen haben dann unterschiedliche Werte je nach Angriffsdistanz. Durchschlagskraft, Zielgenauigkeit und Rückstoßkompensation werden so zu einem einzelnen, abstrakten Wert. Auch Munitionsarten und andere Modifikationen verändern so nur Angriffswert und Schaden einer Waffe.

Der Verteidigungswert errechnet sich aus Konstitution, Schutzkleidung und Zusatzeffekten. Darunter fallen dann Magie, Bodytech oder auch Deckung. Unterscheiden sich beide Werte um vier oder mehr, erhält der im Vorteil befindliche Charakter einen Bonus-Edgepunkt. Für den Soak spielt Panzerung keine Rolle mehr.

Im ersten Moment klingt das nach einer einfachen Regelung, die den Kampf schneller macht und viel Rechnerei spart. Ich vermute eine Verschiebung der Rechnerei auf die abstrakten Werte und Edge, womit nichts gewonnen wäre. Ein Spieltest wird hier Gewissheit bringen.

Initiative und Handlungen Statt komplexen und einfachen Handlungen gibt es nun Haupt- und Nebenhandlungen – andere Namen für mehr oder weniger das gleiche Konzept. Doch die Umsetzung hat sich geändert. Jeder Charakter hat eine Haupthandlung und eine Nebenhandlung plus eine weitere Nebenhandlung pro Initiativewürfel. Ab drei Initiativewürfel, also vier Nebenhandlungen, kann man auch zwei Haupthandlungen ausführen.

Haupthandlungen sind die großen Aktionen wie Angriffe oder generell Fertigkeitsproben. Nebenhandlungen sind interessanter geworden. So kann ein Charakter sich nicht im Kampf bewegen, ohne eine Handlung dafür auszugeben, und darf diese Handlung auch nur einmal ausführen. Das ist sehr ungewohnt.

Während des Kampfes ist jeder Spieler auch nur einmal an der Reihe, nicht mehrfach, wenn die Initiative entsprechend gut ist. Das erhöhte Handlungstempo wird durch die höhere Anzahl an Nebenhandlungen repräsentiert. Das vereinfacht den Kampf, da man nicht immer Initiativewerte abrechnen muss.

Fertigkeiten

Die Fertigkeiten im Überblick. Fertigkeitsgruppen wurden entfernt. Es gibt nun 19 Fertigkeiten und Spezialisierungen. So kann man mit der Fertigkeit Feuerwaffen sowohl Gewehre als auch Pistolen und die meisten anderen Schusswaffen gleich gut bedienen. Mit einer Spezialisierung auf eine Waffenart gibt es dann zwei Bonuswürfel.

Neu ist hier die Expertise – diese Steigerung einer Spezialisierung erhöht den Bonus auf drei Würfel. Eine Vereinfachung und Änderung bei den Fertigkeiten ist sehr nützlich und absolut großartig. Die Trennung in Fertigkeitsgruppen und Fertigkeiten mit verschiedenen Erstellungspunkten und Steigerungsintervallen war einfach nur lästig.

Heilung Einen verletzten Charakter zu heilen ist um einiges einfacher geworden. Die Reihenfolge der Anwendung verschiedener Heilungsvarianten spielt keine Rolle mehr. Kurz gesagt: Man kann erst magisch heilen und dann Erste Hilfe leisten.

Stattdessen ist es an Zeitintervalle geknüpft, welche Heilungsvariante noch wirksam ist. Erste Hilfe kann nur eine Minute nach dem Ende eines Kampfes angewendet werden, ein Medkit kann innerhalb einer Stunde nach dem Kampf genutzt werden. Magie hat keine Zeitbegrenzung. Danach kann man immer noch natürlich genesen, wenn Schaden verbleibt: Das wirkt sehr konstruiert. Die Begründung, dass Erste Hilfe nicht mehr nach magischer Heilung genutzt werden kann, da ja alle Wunden geschlossen sind, schien wesentlich stimmiger.

Jede Heilung wird durch verringerte Essenz stark beeinflusst. Ein Lebewesen ohne Essenzverlust (also mit Essenz 6) hat die besten Chancen, geheilt zu werden, denn man erhält einen automatischen Erfolg. Je weniger Essenz das Ziel hat, desto schwieriger ist es, zu heilen.

Die Entscheidung, Heilung zu vereinfachen, ist bewusst gefällt worden, da es weniger Spaß mache, zu regenerieren, statt an Runs teilzunehmen. Tatsächlich ist damit aber ein wesentliches Spielelement angegriffen worden: die Gefahr, zu sterben. Ich stehe dem skeptisch gegenüber, auch wenn die Begründung plausibel ist.

Statuseffekte Verschiedene Statuseffekte haben in Shadowrun 6 mehr an Bedeutung gewonnen. Das zeigt sich schon daran, dass er unterschiedliche Heilzauber gibt, mit denen Verätzungen, Erfrierungen oder Verbrennungen behandelt werden können. Auch Unsichtbarkeit ist jetzt ein Statuseffekt, der in der Liste auftaucht. Natürlich gab es besondere Schadensarten und Effekte auch schon vorher, aber jetzt haben sie an Bedeutung gewonnen. Dieses Detail ist interessant und bringt etwas mehr Tiefe ins Spiel.

Der Schicksalswürfel Bei manchen Angriffen oder Aktionen wird ein Schicksalswürfel dem Würfelpool hinzugefügt. Dieser Würfel, der sich farblich absetzen soll, gibt bei einer Fünf oder Sechs drei Erfolge, zieht aber bei einer Eins alle Erfolge, die durch eine Fünf entstanden sind, ab. Eingesetzt wird dieser Würfel zum Beispiel beim Übertakten von Geräten, einem Sprühangriff oder dem Übersteuern von Bodytech. Damit soll die erhöhte Gefahr repräsentiert werden, die bei solchen Aktionen entsteht.

Charaktererschaffung Die Charaktererstellung im Grundregelwerk wird mit Hilfe des Prioritätensystems vorgenommen. Andere Varianten, wie Sum-to-ten und Point-buy oder die Charaktermodulerstellung werden sicherlich in späteren Erscheinungen auftauchen.

Als erstes sucht man sich aus, welche Rolle der Charakter in einem Team aus professionellen Verbrechern erfüllen soll: Zauberschleuder oder Technikspezialist, Unterhändler oder Straßensamurai. Zusätzlich stellt man sich einige Fragen über die Vergangenheit, die Motivation und den moralischen Kompass des Charakters. Dann geht es an die Werte.

Das Prioritätensystem funktioniert so, dass es fünf Prioritäten von A bis E gibt, die auf die fünf Bereiche Metatyp, Attribute, Fertigkeiten, Magie oder Resonanz und Ressourcen verteilt werden. Je höher die Priorität, desto besser ist die Kategorie vertreten.

Die neue Prioritätentabelle……und die Attribute der Metatypen. Schön zu sehen ist, dass auch mit den geringen Prioritäten alle Metatypen wählbar sind. Lediglich die Anpassungspunkte steigen. Die Entscheidung ist sicherlich eine schwierige gewesen, denn das alte System sollte auch bei der Charaktererstellung dafür sorgen, dass der große Anteil an Menschen repräsentativ in der Shadowrunnergemeinde vertreten ist. Tatsächlich sind Runner aber sowieso eine besondere Gruppe (Meta-)Menschen und mit der neuen Methode können sich Spieler*innen einfacher das aussuchen, was sie spielen wollen.

Nach der Verteilung der Prioritäten werden Attributs- und Anpassungspunkte verteilt, wobei Anpassungspunkte für Magie, Resonanz, Edge und die besonderen Attribute des Metatyps ausgegeben werden können. Magie und Resonanz können natürlich nur gewählt werden, wenn der Charakter nicht mundan ist.

Danach wählt man seine Fertigkeiten und magie- oder resonanzrelevante Aspekte. Vor- und Nachteile bilden den Charakter und sind in Schritt drei wählbar. Im nächsten Schritt gibt es 50 Karma zur Individualisierung, welches auch in Ressourcen getauscht werden kann.

Höherwertige Ware ist in den 2080ern anscheinend einfacher zu beschaffen. Im Folgenden werden die Ressourcen in Ausrüstung gesteckt, ein paar Connections gewählt und Wissensfertigkeiten bestimmt. Gerade bei der Ausrüstung ist wesentlich mehr zu bekommen als früher – sogar Deltaware ist für einen Startcharakter erreichbar! Zuletzt kommen noch ein paar Berechnungen und es kann losgehen.

Im Vergleich zur fünften Edition ist die Charaktererstellung erstaunlich abgespeckt. Statt neun Schritten und knapp 40 Seiten genügen sechs Schritte und ungefähr die Hälfte an Seiten. Dennoch muss man blättern, wenn es zu den Fertigkeiten kommt oder Zauber und Ausrüstung ausgesucht werden müssen. Das ist bei der Komplexität des Systems aber nur normal.

Die Charaktererstellung dauert je nach Wissensstand über die Spielwelt und darüber, was man spielen möchte, zwischen 15 Minuten und einer Stunde. Insgesamt verläuft alles aber zügiger und angenehmer als in Shadowrun 5. Wem das dennoch zu lange dauert, der wählt einen der Archetypen und legt direkt los.

Erscheinungsbild Das neue Design ist heller und sehr ansprechend. Die zahlreichen Bilder sind oft actiongeladen und farbintensiv, was sich gut ergänzt. Es liest sich alles sehr gut und angenehm.

Eine einfache und übersichtliche Struktur erleichtert die Handhabung. Gerade neue Spieler werden mit der Einleitung, dem Schattenslang-Wörterbuch, den Kurzgeschichten und der Weltbeschreibung gut in das Setting eingeführt. Das Inhaltsverzeichnis ist für Shadowrun klassisch strukturiert und wird durch einen Index ergänzt, der einem aber nur hilft, wenn man genau den richtigen Begriff parat hat. Querverweise bei ähnlichen Begriffen fehlen leider.

Die Überschriften sind logisch gewählt und man hat sich Mühe gegeben, durch die Struktur Übersicht zu schaffen. So stehen unter den Überschriften in auffälliger Farbe oft die wichtigen Informationen, die man sonst im Text suchen musste. Als Beispiel kann man hier die Kosten der Lebensstile oder Proben für Matrixhandlungen nennen.

Tabellen und Beispiele sind an vielen Orten zu finden und logisch platziert. Diese helfen oft über Verständnisprobleme hinweg und sind außerdem leicht zu finden. Besonders erfreulich sind die Tabellenseiten vor dem Index, die viel Herumblättern ersparen. Am Charakterbogen hat sich nicht sehr viel geändert.

Auf den Bildern gibt es viel zu entdecken. Ein kleiner Teil zu den ADL bereitet einen Storybogen vor und es ist schön, dass es dieser nicht unwesentliche Aspekt der Spielwelt ins Grundregelwerk geschafft hat.

Insgesamt ist das Grundregelwerk der sechsten Edition ansprechender und einfach etwas hübscher als sein Vorgänger, der dunkler im Design war.

Bonus/Downloadcontent Ein Geschwindigkeitsrechner steht online zur Verfügung. Er rechnet die Geschwindigkeit von Metern pro Kampfrunde in km/h und umgekehrt um.

Die Kooperation mit dem Genesis Charaktergenerator macht diesen in kostenfreier und als Deluxe-Version für Shadowrun 6 verfügbar.

Fazit Eine neue Edition ist immer mit Veränderungen verbunden und als „alter Hase“ neigt man gerne dazu, diese skeptisch zu sehen. Was mit den Neuerungen bewirkt werden sollte, ist klar: mehr Action, ein einfacherer Zugang und etwas mehr Streamlining.

Das Edge-System und die Vereinheitlichung von (Ausrüstungs-)Werten zu Angriffs- und Verteidigungswerten sind Dinge, die mehr als nur ungewohnt daherkommen. Abstrakte Werte treten an die Stelle von handfesten Berechnungen – eigentlich ein Bruch mit dem Konzept.

Nichtsdestotrotz bewerten wir Regelwerke nach den selbst gesetzten Zielen und können auch nicht alle Auswirkungen in einem kurzen Ersteindruck abschätzen. Es ist wunderbar, dass die Spielwelt in kurzen, aber passenden Passagen an die Leser*innen herangetragen wird und man so das bisher Geschehene aufholen kann.

Dass Mechaniken eingeführt wurden, um gerade das Zaubern einfacher zugänglich zu machen, ist ebenso gut wie die Verbesserung des Prioritätensystems mit mehr Auswahl- und Anpassungsmöglichkeiten.

Nicht zuletzt sieht das Grundregelwerk der sechsten Edition von Shadowrun einfach sehr gut aus, indem es hell, ansprechend und mit großartigen Illustrationen bestückt wurde. Auch die Struktur und Übersichtlichkeit hat man verbessern können.

Für knapp 20 Euro bekommt man ein schönes und für Shadowrun-Verhältnisse niederschwelliges Grundregelwerk mit einer sinnvollen Struktur, einer großen Portion Streamlining und Potenzial.

Der Ersteindruck basiert auf der ausgiebigen Lektüre des Grundregelwerkes, der Erstellung einiger Charaktere und der Testrunde des Starterpakets bei den Teilzeithelden. Im Verlauf der nächsten Wochen und Monate wird eine weitere Testrunde mit Hilfe des Grundregelwerks stattfinden, die ich diesmal leite. Auf dieser Grundlage wird ein ausgiebiger Spieltestbericht erscheinen.



Rating:
[4 of 5 Stars!]
Shadowrun 6 Grundregelwerk
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Falkengrund - Von Kobold, Feen und Holzfäller (PDF) als Download kaufen
Publisher: Ulisses Spiele
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 12/16/2019 05:29:52

https://www.teilzeithelden.de/2019/12/03/rezension-falkengrund-jubilaeumsband-gereifter-wein-in-neuem-schlauch/

Die Karriere vieler Pathfinder-Spieler begann mit dem kostenlosen Abenteuer „Falkengrunds Letzte Hoffnung“. Mit zwei Kaufabenteuern als direkten Fortsetzungen und zwei weiteren, die gut dazu passten, konnte eine Mini-Kampagne gespielt werden: Der Falkengrund-Zyklus. Zehn Jahre nach Erscheinen der ursprünglichen Module erscheint mit dem Jubiläumsband die komplette Kampagne in aufbereiteter Form.

Der Falkengrund-Zyklus stellt keinen typischen Abenteuerpfad dar, bei dem sich eine durchgehende Geschichte durch alle Bände zieht. Stattdessen lässt sich jedes der Module komplett einzeln spielen oder in andere Kampagnen einbauen. Um die ursprünglich eigenständigen Module zum Falkengrund-Zyklus zusammenzusetzen, sodass alle Teile harmonisch ineinandergreifen, mussten fast alle Module leicht verändert werden – diese Änderungen wurden auf einer Webseite vorgestellt, die leider nicht mehr erreichbar ist. Es handelte sich um kleinere Anpassungen der Karten, um die Verbindungspunkte zwischen den Abenteuern richtig darzustellen, sowie um Änderungen im Verhalten einiger NSC.

Dies war notwendig, weil Ereignisse passieren, die zur Vorgeschichte der nachfolgenden Module gehören, während die Charaktere noch mit dem aktuellen Modul beschäftigt sind. Einige der NSC reagieren auf diese Ereignisse und verhalten sich dementsprechend anders als im Originalmodul vorgegeben. In den Jubiläumsband sind diese Änderungen bereits eingeflossen, sodass der Spielleiter die Module einfach in Reihe leiten kann. Dies ändert nichts daran, dass der Zyklus kein durchgehendes Thema hat, sondern verschiedene Handlungen in der gleichen Region präsentiert. Gerade diese Abwechslung der Handlungsstränge kann die Mini-Kampagne aber reizvoll machen.

Inhalt Die Module Die Module des Falkengrund-Zyklus sowie das optionale Modul Der Jahrmarkt Der Tränen bilden den Hauptteil des Jubiläumsbandes. Ich versuche, die Inhalte aller Module möglichst spoilerfrei wiederzugeben.

Falkengrunds Letzte Hoffnung Dieses Modul ist ein kleines Einstiegsabenteuer, welches lange Zeit kostenlos heruntergeladen werden konnte. Es spielt vor der Rache des Koboldkönigs und bekam deshalb die Modulnummer „D0“. Falkengrunds Letzte Hoffnung ist komplett eigenständig spielbar. Die Charaktere treffen in dem kleinen Ort Falkengrund aufeinander, von wo aus das Holzfäller-Konsortium das Finstermondtal mehr oder weniger regiert. Seit neustem grassiert im Dorf eine Krankheit, und die Helden müssen helfen, diese zu stoppen. Der Weg führt sie in die umliegenden Wälder.

Die Krone Des Koboldkönigs Dieses Modul ist das erste Abenteuer-Modul, das Paizo jemals herausgegeben hat, damals noch für D&D 3.5. Deshalb trägt es die Modulnummer „D1“. Die Krone des Koboldkönigs ist ein klassischer Dungeon-Crawl, bei dem einige Kinder aus der Umgebung von Falkengrund gerettet werden müssen.

Die Rache Des Koboldkönigs Zum Free RPG Day 2008 hat Paizo den Nachfolger zur Krone des Koboldkönigs herausgebracht, offiziell mit der Modulnummer „D1.5“. Wer dachte, mit den Ereignissen in Die Krone Des Koboldkönigs sei das Problem des kleinen Ortes Falkengrund gelöst, der irrt. Erneut müssen sich die Helden der – größer gewordenen – Gefahr stellen. Auch dieses Modul ist „dungeon-based“, bietet aber mehr als nur den Dungeon.

Der Jahrmarkt der Verdammten Der Jahrmarkt mit der offiziellen Modulnummer „E1“ gehört nicht zum ursprünglichen Falkengrund-Zyklus, spielt aber in der gleichen Gegend und passt gut in das Gesamtbild der Reihe. Vor Einbruch des Winters gastiert ein Jahrmarkt im kleinen Ort Falkengrund, der noch einmal zu Spaß und Vergnügen einlädt, bevor die tristen und entbehrungsreichen Wintertage hereinbrechen. Leider ist das Vergnügen nur von kurzer Dauer, denn seltsame Ereignisse überschatten den Jahrmarkt. Der Jahrmarkt der Verdammten ist ein komplett ereignisbasiertes Abenteuer, quasi eine Sandbox, bei der Aktion und Reaktion sich abwechseln. Es gibt viele Punkte, an denen die Helden ansetzen und etwas bewirken können, und hoffentlich wendet sich am Ende alles zum Guten.

Hungrig Sind Die Toten Dieses Modul mit der offiziellen Modulnummer D4 stellt den Abschluss der Ereignisse rund um Falkengrund dar. Die Helden lernen endlich den Grund für ihren wiederkehrenden Ärger mit dem Koboldkönig kennen. Sie stellen sich der dunklen Macht entgegen und erwirken so hoffentlich endlich Frieden für Falkengrund und das Finstermondtal. Hungrig Sind Die Toten ist ein weiterer Dungeon-Crawl, der auf den vorherigen beiden Dungeon-Abenteuern der Reihe aufbaut.

Weitergehende Informationen Den zweiten großen Block innerhalb des Jubiläumsbandes bilden die Zusatzinformationen zu Falkengrund, dem Finstermondtal und zu den Kobolden. Vieles davon tauchte schon einmal an anderer Stelle in den Pathfinder-Veröffentlichungen auf, doch gerade Einsteigern hilft es oft, die Informationen kompakt verfügbar zu haben, statt sie aus anderen Büchern zusammensuchen zu müssen.

Detaillierte Beschreibung von Falkengrund Die Beschreibungen von Falkengrund aus allen Abenteuermodulen wurden zusammengezogen und überarbeitet. Dadurch wird Falkengrund im Jubiläumsband geschlossen und stimmig präsentiert. Angereichert wird dies mit weiteren Abenteuerideen rund um den Ort, Gerüchten aus der Gegend und den Werten des Vorstehers. Für Kenner der Module findet sich hier nicht viel Neues, aber die Möglichkeit, alle Informationen zusammengefasst zu lesen, ist hilfreich. Auch die Karte wurde geringfügig überarbeitet und stellt jetzt alle Informationen gebündelt dar.

Hintergrund über das Finstermondtal Der Hintergrundteil über das Finstermondtal ist kurz, aber informativ. Hier wurde viel Material aus dem Almanach zum Finstermondtal übernommen, allerdings nicht der komplette Almanach. Wer also noch mehr Informationen zu diesem recht interessanten Spielgebiet erhalten möchte, sollte sich zusätzlich noch den Almanach zulegen. Darüber hinaus werden noch wichtige Nachbarorte außerhalb des Finstermondtals vorgestellt, zu denen die Helden sich begeben könnten, um weitere Informationen oder Ausrüstung zu erhalten.

Die Lebensweise der Kobolde Dieses Kapitel stellt mit circa zehn Seiten eine umfassende Informationsquelle rund um Kobolde dar. Beim ersten Lesen der Inhaltsangabe zum Jubiläumsband hätte ich eher mit ein, zwei Seiten gerechnet. Ich war daher positiv überrascht, derart tiefe Hintergrundinformationen über Kultur, Lebensweise und Wesen der Kobolde zu erhalten. Hier entstehen beim Lesen viele Ideen für weitere Abenteuer.

Kobolde als Charaktere Nach der umfassenden Abhandlung um Kobolde und deren Kultur ist es nicht verwunderlich, dass der Sammelband Informationen zum Spielen von Kobolden als Charakteren enthält. Ich bin leider noch nicht dazu gekommen, einen Kobold als Spielercharakter zu erleben, aber die gebotenen Regeln bieten vielfältige Möglichkeiten zur Ausgestaltung.

Neue Monster Wo Dungeons sind, da sind auch Monster. Der Jubiläumsband enthält einige Monster, die in den Dungeon-Crawls der Kampagne vorkommen, mit vollständiger Beschreibung im Anhang. Leider sind nicht alle vorkommenden Monster hier beschrieben, sodass man mit dem Jubiläumsband alleine spielen könnte. Damit werden zwar Dopplungen bei den Monsterbeschreibungen vermieden, allerdings ist man dadurch zusätzlich auf das erste Monsterkompendium angewiesen, um die Kampagne zu spielen.

Erscheinungsbild Das Layout ist Pathfinder-typisch gut sortiert und aufgeräumt. Der Jubiläumsband lag nur als PDF zur Rezension vor, deshalb kann über Druckqualität und Verarbeitung keine Aussage getroffen werden. Das Layout des PDF entspricht dem Layout der Printversion. Leider ist die verwendete Grundschrift am Bildschirm schlechter zu lesen als auf der gedruckten Seite, vor allem in Kombination mit den verwendeten Kontrasten (Dunkelbraun auf hellem Beige).

Fazit und Vergleich zu den Einzelbänden Der Falkengrund-Zyklus als Sammelband präsentiert eine abwechslungsreiche Kampagne. Dem Spielleiter wird die Arbeit abgenommen, die Einzelmodule zur kompletten Kampagne zu verbinden und entsprechend anzupassen. Darüber hinaus gibt es noch relevante Informationen aus dem Almanach zum Finstermondtal, die der Spielleiter benutzen kann, um die Kampagne weiter auszuschmücken.

Ich persönlich hätte lieber auf den Teil für Kobolde als Spielercharaktere verzichtet und dafür mehr Informationen über das Finstermondtal bekommen – aber Geschmäcker sind verschieden.

Für 35 Euro bekommt man hier ausreichend Material an die Hand, um die Spieler mehrere Spielabende zu beschäftigen und die Charaktere bis zur 8. Stufe zu begleiten. Neben einer abgeschlossenen Mini- Kampagne gibt es eine ausführliche Beschreibung einer generell schönen Einstiegsregion. Die Investition lohnt sich, auch wenn man einzelne Module schon sein Eigen nennt, da die Arbeit, die Module zur Kampagne zusammenzufügen, bereits erledigt wurde.

Die Zusatzinformationen, die in den Einzelmodulen nicht vorhanden sind, machen den Sammelband noch einmal interessanter. Besitzt man allerdings schon den Almanach zum Finstermondtal, finden sich im Sammelband nur wenige neue Informationen zur Gegend, und nur für die Beschreibung der Kobolde dürfte er sich nicht lohnen.



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Falkengrund - Von Kobold, Feen und Holzfäller (PDF) als Download kaufen
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DSA5 - Das Dornenreich - Aranien und das Erbe des Moghulats (PDF) als Download kaufen
Publisher: Ulisses Spiele
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 12/16/2019 05:28:37

https://www.teilzeithelden.de/2019/11/21/rezension-dsa5-das-dornenreich-diwan-datteln-und-damast/

Entdecke den aventurischen Orient! Das Dornenreich verspricht prachtvolle Paläste in Städten, die niemals schlafen. Wilde Natur und eine magische Landschaft mit ebensolchen Kreaturen erwarten den abenteuerlustigen Reisenden. Lebe die Geschichten aus „1000 und einem Rausch“! Oh, Söhne der Herrlichkeit, oh, Töchter der Tugenden – beginnt die Reise gleich heute! Hier!

„ Weil er schweigt, sitzt der Falke auf der Hand des Königs. Weil die Nachtigall singt, ist sie im Käfig eingesperrt.“ – (Ferîd ud din Attâr – persischer Dichter 1136-1221 n.Chr.)

Mit der Regionalspielhilfe Das Dornenreich beleuchtet Das Schwarze Auge 5 zum ersten Mal eine südliche Region Aventuriens. Aranien oder besser das „Mhaharanyat“ lehnt stark an die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht an und spiegelt die Landschaft und Kultur des irdischen Orients wieder.

Inhalt Die Regionalspielhilfe teilt sich in elf Kapitel auf und folgt dabei den gewohnten Strukturen, wie wir sie bereits aus anderen DSA5-Regionalspielhilfen kennen. Bereits das Vorwort weist darauf hin, dass der frühere Metaplot um die oronischen Machenschaften mit dem Schleierfall abgeschlossen wurden. Das Setting hat sich verändert und weiterentwickelt und soll nun auch anderen Antagonisten ihren Raum geben.

Einer Beschreibung der Geographie folgen detaillierte Schilderungen der einzelnen Regionen. Im Anschluss werden „Kultur & Wissenschaft“ unter die Lupe genommen, über „Handel & Wandel“ berichtet, sowie typische Tiere und Pflanzen der „Flora & Fauna“ näher betrachtet. Mit „Göttern & Dämonen“ und „Zauberei & Hexenwerk“ mussten sich nicht nur Aranier mit „Rang & Namen“ herumschlagen, wie man in „Mythos & Historie“ erfährt. Oft waren es „Helden aus dem Dornenreich“, welche das Reich vor dem Untergang retteten. Typische Professionen, Regeln und spezielle Fertigkeiten dieser Helden findet man im gleichnamigen Kapitel. Letztlich sind es aber die Mysterien, welche die Geschichten aus „1000 und einem Rausch“ besonders machen, und auch die Regionalspielhilfe bietet „Mysteria & Arcana“ zum Ausklang des Werkes.

Das Dornenreich und seine Bewohner

Auf dem Markt in Zorgan Die ersten Kapitel bieten einen geographischen und politischen Überblick über die Region und ihre Besonderheiten, bevor im Detail die einzelnen „Radjarate“ (vergleichbar mit Provinzen) vorgestellt werden. Von A wie Anchopal bis Z wie Zorgan werden über 60 Städte und Dörfer des Dornenreiches beschrieben. Die größten und bedeutendsten dieser Städte (Anchopal, Baburin, Zorgan, Elburum, Llanka, Palmyrabad) bringen überdies eine eigene Stadtkarte und eine Beschreibung eben dieser mit.

Während die Wissenschaften des Landes minimalistisch dargestellt werden und sich auf eher philosophische, astrologische und linguistische Themen konzentrieren, liegt der Fokus der kulturellen Errungenschaften auf Sitten und Gebräuchen, dem Aberglauben der Menschen und der gesellschaftlichen Ständeordnung. Besonders Letztere scheint einen wichtigen Stellenwert im Leben der Aranier einzunehmen. Die matriarchalische Adelsgesellschaft ist nicht nur Inhalt des täglichen Klatschs und Tratschs der städtischen Bevölkerung, sondern lebt der bescheidenen Bevölkerung auch ein phex- und rahjagefälliges Leben vor, nach dem diese streben kann. Selbst die einfache Bäuerin träumt davon, einmal palmyramischen Schmuck zu tragen oder die Schleier der neusten Mode aus Zorgan ihr Eigen zu nennen.

Neben der Mode gehört zum Schönheitsideal der aranischen Männer und Frauen auch ein ausgewogener Körper, der zum Kriegshandwerk oder Ausleben der schönen Künste geeignet ist. So wundert es nicht, dass sich unter den militärischen Einheiten des Dornenreiches neben Streitwagenfahrern, Kriegselefanten und Säbelschwingern auch die berühmten Rosenritter befinden. Einst wurde der „Orden der Rose“ gegründet, um gegen oronische Umtriebe vorzugehen, aber längst ist er zu einem Treffpunkt all derer geworden, die dem ruhmreichen König mit Säbel, Schwert oder rahjagefälligen Taten nacheifern wollen.

Wer im Dornenreich unterwegs ist, muss sich aber nicht nur der Feinde des Reiches, wilder Ferkinastämme und Kreaturen der Wildnis erwehren, sondern auch der Hartnäckigkeit feilschender Markthändler. Dinare und Schekel wird man schneller für einen guten Teppich, teures Porzellan oder zorganer Glasbläserkunst wieder los, als man sie sich verdient hat. „Steuern & Zölle“ tun ihr Übriges, um dem Reisenden das Geld aus der Tasche zu ziehen, und wer sich gegen „Recht & Gesetz“ zur Wehr setzt und eine Zahlung verweigert, muss mit hohen Strafzahlungen oder gar der Schuldsklaverei rechnen.

Dennoch ist und bleibt das Dornenreich ein durch und durch magischer Ort, und das wird insbesondere durch einige exotische Tierwesen wie etwa die Sphingen deutlich. Diese Wesen, welche den Körper einer Katze, zwei große Schwingen und das Haupt einer Frau haben, gelten unter den Araniern als prophezeiende Orakel. Es wird vermutet, dass sie einst dem Sonnengott Praios dienten, ähnlich wie Greifen. Ob dies der Wahrheit entspricht, wird wohl aber ein Rätsel bleiben.

Über Götter, Dämonen und Hexenwerk

Zauber in der Praxis: Körperlose Reise Wenngleich Praios’ Auge – die Sonne – in den südlichen Gefilden auch häufiger vom Himmel scheint als im zwölfgöttergläubigen Norden, so sind doch Phex und Rahja die angesehensten Gottheiten der Aranier. Die übrigen der Zwölfe haben nur eine untergeordnete Rolle, und neben ihnen existieren viele andere, teils ketzerische Kulte. Selbstverständlich gibt es noch immer oronische Umtriebe, aber auch andere potenzielle Antagonisten abenteuermutiger Helden sind zunehmend im Dornenreich anzutreffen. Lediglich Diener des namenlosen Rattengottes sind selten vorzufinden. Dies mag an den zahlreichen Katzen im Land liegen, die auch vor der Rattenjagd nicht zurückschrecken.

Zu den vielen verborgenen Kulten gehört auch die Magierschaft, welche in Aranien nur eine einzige offizielle Akademie besitzt. Dafür gibt es umso mehr verborgene Zirkel, Hexen und Zaubertänzer, die sich wenig um die strengen Regeln kümmern, welche den Gildenmagiern auferlegt sind. Das eigentliche Flair von Tausendundeiner Nacht mit seiner allgegenwärtigen Magie wird damit leider ebenfalls unter einem Schleier verborgen.

Von Helden und Herrschern Besonders die Kapitel um Helden der Region und das Who-is-who des Dornenreiches bieten eine große Bereicherung für den Spieltisch. So findet man neben typischen Charakteren wie dem aranischen Sippenkrieger oder dem Mujan (Zaubertänzer) zum Beispiel auch die Pardelhexe, Quabalyim (Magierkulte) oder Phexgeweihte der Mada Basari.

Hintergrundereignisse für die Ausgestaltung der Heldenerschaffung sowie Werte typischer Waffen und Fertigkeiten bieten eine gute Grundlage für ein stimmiges Charakterkonzept. In Verbindung mit einer ausführlichen Beschreibung der frühzeitlichen und neueren Geschichte des Reiches lassen sich Antagonisten und mit Hilfe der regionalen Beschreibungen Abenteuerideen entwickeln. Diese kommen mit einem halbseitigen Beitrag im Werk ansonsten eher zu kurz.

Die Schlacht von Zorgan (1. Travia 1028 BF) Die oberen Zehntausend sind es zwar nicht, aber die Crème de la Crème des Dornenreiches wird ebenfalls in diesem Werk vorgestellt. Wie gewohnt mit Illustrationen, wichtigen Informationen und positiver wie auch negativer „Volkes Stimme“. Auffällig ist die Ähnlichkeit einiger Porträts mit Schauspielern bekannter Produktionen. So ähnelt „Taref as’Sarjabaran (Wirt des Roten Kamels)“ dem Schauspieler Conleth Hill in seiner Rolle als Eunuch Varys in Game of Thrones. Aber auch „Shazarinja (Mutter der Skorpione)“ erinnert mit ihrer roten Lederkleidung an Tabrett Bethell alias Cara Mason aus der Serie Legend of the Seeker.

Spoiler Mondsilberne Mysterien Das letzte Kapitel bietet wie immer einen Blick auf das Verborgene und Mysteriöse, auf die Geheimnisse der vielen NSC und auf mystische und magische Orte des Reiches. Hintergründe zu speziellen Kulten wie den Ilaristen, Quabalyim oder den Erben des Moghulats Oron finden hier ebenso Platz wie die Beschreibung einer einfachen Karawanserei (inkl. Karte) und ein paar Abenteuerideen. Die Nähe des Reiches zur Gorischen Wüste und deren negative Einwirkung auf den menschlichen Geist werden zwar nicht thematisiert, sind aber in der Beschreibung einiger Artefakte deutlich zu spüren.

Spoiler Erscheinungsbild Die oft als besonders schön hervorgehobene und blumige Sprache der Aranier findet leider kaum Eingang in diese Publikation, und zu allem Überfluss hat auch das Lektorat nur mittelmäßige Arbeit geleistet. Rechtschreib- und Trennungsfehler stören den Lesefluss und können sogar ernste Themen ins Komische verdrehen, wenn der Schattenmarschall Haffax mit einem „Herr“ durch die Sümpfe marschiert, statt mit einem Heer. Die lieblichen Rosendschinne hingegen fühlen sich vermutlich wie „verend-ete“ Schnittblumen, wenn man sie „Rosend-schinne“ trennt.

Während das Cover von Marcus Koch noch mit der mittlerweile gewohnten, detailreichen Darstellung einer atmosphärischen Orientszene punkten kann, wirken einige der Innenillustrationen wie kindliches Geschmiere oder unfertige Aquarelle. Damit entziehen sie dem Werk leider einen Großteil seines Zaubers.

Fazit Das Dornenreich ist inhaltlich gut durchdacht und strukturiert geschrieben, lässt aber die Magie und den Zauber der Geschichten aus Tausendundeiner Nacht missen. Der alte Metaplot um die oronischen Umtriebe musste aus dem Fokus der Publikation weichen, was dem Werk aber sehr zu Gute kommt. Der damit gewonnene Freiraum bietet Platz für die kleinen Nebenschauplätze wie den Gorienkonflikt oder die Vasallenstaaten Floeszern und das Yalaiad. Daraus lassen sich mit etwas Eigenaufwand diverse Abenteuerideen erarbeiten, von denen es ansonsten in der Publikation eher mangelt. Regeltechnisch liefert Das Dornenreich aber alles Nötige, um regionsspezifische Helden zu erstellen und diese mit dem dazugehörigen Flair an den Spieltisch zu bringen. Illustrationen und mittelmäßiges Lektorat hingegen wirken einer guten Atmosphäre eher zuwider. Unterm Strich ist Das Dornenreich eine solide Regionalspielhilfe, die ihren Zweck erfüllt, aber wenig stimmungsvoll geschrieben ist.



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Starfinder - Einsteigerbox (PDF) als Download kaufen
Publisher: Ulisses Spiele
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 11/20/2019 04:05:59

https://www.teilzeithelden.de/2019/10/17/ersteindruck-starfinder-einsteigerbox-schnellstart-ins-weltall/

Schon seit mehr als zwei Jahren können Fans von Pathfinder erforschen, wie die Welt ihres Rollenspiels in ferner Zukunft aussieht. Wer Starfinder bisher noch nicht kennengelernt hat, soll eine perfekte Gelegenheit mit der deutschen Übersetzung der Einsteigerbox erhalten. Wir haben uns für euch auf den Weg zu den Sternen gemacht.

Was passiert mit einer typischen Fantasywelt, die sich über Jahrtausende entwickeln kann, ohne dass Dämonen, Drachen oder böse Götter die typische Apokalypse entfachen? Vermutlich findet irgendeine Art von technischem Fortschritt statt und am Ende wird aus Magie und Technik ein Gemisch, das treffend als Science-Fantasy bezeichnet werden kann. Soweit zumindest die Idee von Starfinder.

Als eine Art Spin-Off zum Rollenspiel Pathfinder, das gerade in einer kontrovers diskutierten zweiten Edition erschienen ist, nimmt sich Starfinder der Welt von Golarion an und versetzt sie in eine technologisch weit fortgeschrittene Zukunft. Golarion als Planet verschwindet dabei ärgerlicherweise, aber die Szenerie bleibt unverkennbar dieselbe.

Wie schon für Pathfinder ist auch für den Weltraumableger eine Einsteigerbox erschienen, die seit Kurzem in deutscher Übersetzung erhältlich ist. Wir haben das zum Anlass genommen, uns noch einmal zu den Paktwelten aufzumachen und Starfinder unter die Lupe zu nehmen. Lest im Weiteren, ob die Landung auf der Absalom-Station mithilfe der Einsteigerbox gelingen wird.

Ein kurzes Briefing vorab Dieser Artikel wird sich nur sehr rudimentär mit dem Regelsystem befassen, das Starfinder zugrunde liegt. Der Grund dafür sind gleich drei Artikel unseres Magazins, die sich bereits in der Vergangenheit ausführlich mit den Regeln des Spiels auseinandergesetzt haben. Unser Redakteur Holger hat die englische Originalversion des Grundregelwerkes rezensiert und einem Spieltest unterzogen. Die deutsche Starfinder-Übersetzung wurde zusätzlich von einem Gastautor bewertet.

Allen, die an einer Betrachtung des Regelkomplexes interessiert sind, sind daher die oben genannten Artikel wärmstens empfohlen. Unser Ersteindruck der Einsteigerbox widmet sich stattdessen eher der Frage, ob das Produkt seinem Zweck gerecht wird, Neulinge mit Starfinder vertraut zu machen und Lust auf mehr zu vermitteln. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf kompletten RollenspielanfängerInnen.

Die Spielwelt oder: das Spielleiterhandbuch

Auch wenn das Spielerhandbuch der Box einige kurze Abschnitte zur Spielwelt bereithält, finden sich die meisten Informationen doch im Softcoverheft, das sich an zukünftige SpielleiterInnen richtet. Die einzelnen Planeten der Paktwelten, das Sonnensystem, in dem die meisten Abenteuer stattfinden dürften, werden kurz umrissen. Etwas ausführlicher wird die Absalom-Station beschrieben, die einen guten Schauplatz für erste Abenteuer und gleichzeitig eine schöne Heimatbasis für die Charaktere bietet.

Einen ersten Eindruck von den ungemütlichen Abschnitten der Station können sich die SpielerInnen in Form des mitgelieferten Abenteuers Stahlklaues Versteck verschaffen. Darin werden die Charaktere beauftragt, sich einer rätselhaften Bedrohung anzunehmen, die die unteren Ebenen der Station heimsucht. Leider enttäuscht das Abenteuer auf ganzer Linie.

Zunächst dürfte allen SpielleiterInnen, die bereits die Pathfinder Einsteigerbox kennen, auffallen, dass eine enorme Ähnlichkeit zum darin verwendeten Startabenteuer Schwarzzahns Hort vorliegt. Beide Abenteuer bestehen aus einem Dungeon, der zehn Räume umfasst und mit dem jeweils namensgebenden Endgegner schließt. Für die Starfinder-Variante sind Details abgeändert und der Stil auf Science-Fantasy umgemodelt worden, ansonsten wurde einfach alles übernommen.

Diese etwas lieblose Vorgehensweise wäre verzeihlich, wenn das Abenteuer nicht schon in seiner Urform suboptimal gestaltet wäre. Der Dungeon ist ein Schlauch ohne echte Entscheidungsmöglichkeiten, fast sämtliche Begegnungen sind nur im Kampf lösbar und für den Kampf gegen den Endgegner muss zuvor ein bestimmter Gegenstand gefunden worden sein, ohne den kaum Chancen auf einen Sieg bestehen. Komplette Rollenspielneulinge bekommen durch dieses Abenteuer einen sehr eingeschränkten Eindruck von den Möglichkeiten des Hobbys und werden eventuell noch durch die sehr beschränkten Optionen, ihren Gegner zu überwinden, frustriert.

Es verwundert, dass gerade dieses Abenteuer für die Box gewählt wurde. Denn mit den Tipps und Hinweisen für die angehenden SpielleiterInnen, die danach folgen, lassen sich weitaus bessere Szenarien entwerfen. Immer an den Bedürfnissen kompletter AnfängerInnen orientiert, finden sich hier jede Menge sinnvoller Inhalte.

Neben einem kurzen Abriss zu den allgemeinen Aufgaben der Spielleitung finden sich vor allem Handreichungen, um Abenteuer zu entwerfen und die Spielsitzungen vorzubereiten. Dabei werden insbesondere der Beschreibung und Nutzung von verschiedenen Szenerien viel Platz eingeräumt, was es angehenden SpielleiterInnen erlaubt, abwechslungsreiche Abenteuer zu präsentieren. Vervollständigt wird das Paket durch eine angemessen große Kreaturensammlung sowie passenden Zufallstabellen für den Einsatz der diversen Gegner und NSC.

Die Regeln oder: Was ist anders als im Grundregelwerk? Wie schon zuvor erwähnt, haben wir die Regeln von Starfinder bereits in der Vergangenheit ausführlich besprochen. Bei einem Einsteigerprodukt stellt sich aber immer die Frage, ob und inwiefern die Regeln verändert und angepasst wurden, um den Einstieg zu erleichtern. Starfinder geht hier weitestgehend den gleichen Weg, den Pathfinder mit seiner Einsteigerbox beschritten hat.

Charaktere, die mithilfe der Einsteigerbox erschaffen werden, sind aber anders als bei Pathfinder nicht voll kompatibel mit dem kompletten Regelwerk, da ein Detail vereinfacht wurde. Die Unterscheidung von Ausdauer und Trefferpunkten ist zugunsten der Trefferpunkte aufgehoben worden, dürfte aber bei einer Konvertierung des Charakters leicht nachgeholt werden können. Darüber hinaus sind keine weiteren Abweichungen vom Regelkern des Systems aufgefallen, stattdessen werden an vielen Stellen Regeloptionen ausgelassen, die das Regelwerk bietet.

Insbesondere ist davon der Raumkampf betroffen, der in der Einsteigerbox ersatzlos gestrichen wurde. Diese Entscheidung ist schwerlich nachzuvollziehen, da Raumschiffe und Schlachten im Orbit mit Laser und Torpedos für viele SpielerInnen fest zum Repertoire des Science-Fiction-Genres gehören. Auf der anderen Seite stellt der Raumkampf in den vollständigen Regeln von Starfinder quasi ein eigenes Subregelsystem dar, das Rollenspielneulinge schnell überfordern könnte.

Charaktererschaffung oder: das Spielerhandbuch Der einfachste Weg, mit der Starfinder Einsteigerbox ins Abenteuer zu starten, besteht ohne Frage darin, einen der sechs vorgefertigten Charaktere auszuwählen und einfach loszuspielen. Die sechs Weltraumabenteuer kommen jeweils mit einem bereits ausgefüllten Charakterblatt daher. Neben diversen nützlichen Erläuterungen bieten die vollfarbigen Bögen auch eine kleine Hintergrundgeschichte zum jeweiligen Charakter.

Wer lieber den ganz eigenen Charakter erstellen möchte, wird ebenfalls nicht enttäuscht. Das Spielerhandbuch bietet eine Anleitung zum Charakterbau, die Anfänger bei jedem Schritt an die Hand nimmt und unterstützt, ohne jemals im Ton ins Vorschulhafte abzurutschen. Besonders praktisch sind die Hinweise, wo auf den beiliegenden Blankobögen die jeweiligen Werte und Fähigkeiten genau eingetragen werden müssen.

Auch die Auswahl an Charakteroptionen enttäuscht nicht. Jeweils sechs Völker, Charaktermotive und Klassen erlauben theoretisch bis zu 216 verschiedene Charakterkombinationen. Durch die Auswahl von Zaubern, Spezialfähigkeiten, Talenten und Ausrüstung können diese verschiedenen Varianten dann noch individualisiert werden.

Langeweile sollte also nicht allzu schnell aufkommen, auch wenn die Auswahl an Möglichkeiten im eigentlichen Grundregelwerk selbstverständlich größer ausfällt. Da alle Charakterklassen bis auf Level vier gesteigert werden können, ist auch nach einem ersten Abenteuer noch genug Luft nach oben, ohne dass zusätzliches Spielmaterial angeschafft werden müsste. Aus einem kompetenten, aber eben noch unerfahrenen Charakter kann mit den Inhalten der Box eine Figur werden, die den Anfängerstatus ebenso hinter sich gelassen hat, wie der/die SpielerIn.

Erscheinungsbild Das uns vorliegende PDF überzeugt mit einem sehr einheitlichen Artwork und Layout. Die Farbgebung ist recht bunt, was bei einer Science-Fiction-Thematik aber nicht weiter stört und auch niemals den Rahmen sprengt. Die diversen Lesezeichen vereinfachen eine Orientierung im Text der beiden Bücher enorm.

Obwohl das PDF also zu gefallen weiß, wird erst die physische Version des Produkts die Inhalte der Einsteigerbox voll zur Geltung bringen, auch wenn sie sich für ein Einsteigerprodukt im oberen Preissegment bewegt. Die diversen Aufsteller, Referenzkarten und nicht zuletzt die Flipmat, die der Box beiliegen, machen sich einfach besser, wenn sie nicht ausgedruckt und -geschnitten sind. Für echte Einsteiger sind außerdem die Würfel, die der Box beiliegen, nicht uninteressant.

Ob ausgedruckt oder aus dem klassischen Stanzbogen erfüllen diese Elemente am Spieltisch in jedem Fall ihren Zweck. Fast 80 Aufsteller dienen zur Darstellung der Charaktere und ihrer diversen Gegner und Verbündeten. Auf der doppelseitigen Flipmat, die den Bodenplan des mitgelieferten Abenteuers bzw. eine große Blankofläche zeigt, können diese Figuren dann ihre Kämpfe austragen.

Was am Erscheinungsbild negativ auffällt, ist die Tatsache, dass an einigen Stellen im Text offensichtlich keine Übersetzung aus dem Englischen stattgefunden hat. Es handelt sich zwar nicht um essenzielle Textstellen, aber die Fehler sind sehr auffällig und daher ärgerlich.

Fazit Nachdem schon die Einsteigerbox zum engverwandten Pathfinder unsere Redaktion überzeugen konnte, überrascht es wenig, dass auch das entsprechende Produkt für Starfinder nicht enttäuscht. Alle AnfängerInnen erwartet ein pralles Paket mit zwei Softcoverheften, Charakterbögen, Würfeln, Merkzetteln mit wichtigen Regeln sowie einer großen Menge an Bodenplänen und Aufstellern, die sich schnell und sinnvoll im Spiel einsetzen lassen. Lediglich in der PDF-Version muss noch etwas Zeit fürs Drucken und Basteln investiert werden.

SpielerInnen werden Schritt für Schritt durch die Charaktererschaffung geleitet und dürfen aus einer langen, aber nie überwältigenden Liste aus Optionen den Wunschcharakter erstellen oder einfach einen von sechs fertigen Charakteren ins Abenteuer schicken. Auch nach dem ersten Abenteuer kann der Charakter weitergespielt und gesteigert werden, denn die Box enthält Material, um alle Klassen bis auf Level vier zu entwickeln. Und danach sind die Charaktere schnell auf das vollständige Regelwerk konvertiert.

Auch die potenziellen SpielleiterInnen bekommen einiges geboten. Neben einer großen Auswahl an NSC und Kreaturen sind zahlreiche Tipps zum Erstellen von eigenen Abenteuern und der Beschreibung und Umsetzung verschiedenster Szenerien in der Science-Fantasy-Welt von Starfinder enthalten. Das mitgelieferte Abenteuer stört leider den ansonsten tollen Gesamteindruck, denn es bietet nur sehr unterdurchschnittliche Unterhaltung und vermittelt Neulingen keinen guten Eindruck von den Möglichkeiten eines Tischrollenspiels.

Trotz dieses Wermutstropfens und eines vergleichsweisen hohen Preises der Printversion gilt aber: Mit dieser Box lässt sich der Countdown für die Reise zu den Paktwelten von Starfinder problemlos einleiten.



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DSA5 - Sternenträger 1 - Der Ruf der Bahalyr (PDF) als Download kaufen
Publisher: Ulisses Spiele
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 10/11/2019 04:31:32

https://www.teilzeithelden.de/2019/10/03/rezension-dsa-der-ruf-der-bahalyr-sterne-fallen-sterne-singen/

Hochelfische Hinterlassenschaften, uralte Geheimnisse und eine Reise ins Unbekannte – Der Ruf der Bahalyr bildet den spektakulären Auftakt zur Sternenträger-Kampagne für Das Schwarze Auge. Die Teilzeithelden haben sich der Expedition ins grüne Herz des aventurischen Nordens angeschlossen und berichten von der abenteuerlichen Reise.

Vor einigen Wochen verkündete Ulisses Spiele auf der hauseigenen RatCon, dass mit Der Ruf der Bahalyr der erste Band der Sternenträger-Kampagne bereits vor Ort erworben werden konnte. Damit beginnt eine Reise, die angestaubte Elemente des DSA-Metaplots wieder aufgreifen soll, die in den letzten Jahren in einer Art Dornröschenschlaf vor sich hindämmerten. Insbesondere zur Phileasson-Saga und den aktuell erscheinenden Romanen von Bernhard Hennen und Robert Corvus, die diese Kampagne belletristisch aufarbeiten, sollen Bezüge hergestellt werden. Worum es sich dabei handelt und wie gut dies gelungen ist, ist das Thema der folgenden Zeilen.

Das Vermächtnis der Hochelfen Vor Jahrtausenden traten die Vorfahren der aventurischen Elfen aus dem Licht und gelangten somit nach Dere, der Welt von Das Schwarze Auge. Simia, der erste von ihnen, berührte 64 der anderen an der Schulter, woraufhin sie ein Sternenmal erhielten und dadurch als Anführer ihres Volkes erkennbar wurden. Auch heute noch gilt es unter Elfen als Zeichen einer großen Macht und eines bedeutsamen Schicksals, wenn ein Kind mit dem Sternenmal geboren wird, auch wenn dies nur sehr selten passiert und den meisten nur noch aus Legenden bekannt ist.

Simia wurde der erste König der Hochelfen, die schließlich ihre Wälder verließen, um prächtige Städte zu bauen, nur um danach tief zu fallen. In der Sternenträger-Kampagne geht es jedoch nicht (nur) um alte Ruinen oder Artefakte der Hochelfen, wie in der Simyala-Kampagne, im Abenteuer Sturmgeboren oder in Klingen der Nacht, welches ebenfalls aus der Feder Dominic Hladeks stammt. Vielmehr geht es um das tiefergehende Vermächtnis der Hochelfen. Schicksale, die vor Jahrtausenden ihren Anfang nahmen, müssen sich in der Gegenwart erfüllen, um die ewige Finsternis abzuwehren. Dabei spielen nicht nur die Sternenträger eine Rolle, sondern auch die Spielercharaktere, die durch Zufall – oder Vorhersehung? – Der Ruf der Bahalyr

Wer folgt dem Ruf der Bahalyr? Das Abenteuer beginnt in Gerasim, jener Stadt im Norden Aventuriens, in der Elfen und Menschen zusammenleben. Ein magiekundiger Held wurde von der hiesigen Akademie eingeladen, eine Weile als Gastdozent zu unterrichten. Die übrige Gruppe setzt sich aus seinen Freunden und Begleitern zusammen, oder aus Personen, die sich aus einem anderen Grund in Gerasim aufhalten. Dieser Aufhänger mag etwas gezwungen wirken, bietet jedoch die Gelegenheit, im Rahmen einer ersten Lehrstunde bereits grundlegende Hintergründe zur Kampagne zu vermitteln.

Einige Spieler erinnern sich vielleicht noch an die Traumwelt, die im Abenteuer Das Vermächtnis der Völker in Gerasim geschaffen wurde. Dort können Elfen und Menschen mehr über die Lebensweise des anderen Volkes erfahren und so zu einem besseren Verständnis des jeweils anderen gelangen. Während die Helden sich in dieser Traumwelt aufhalten, kommt es schließlich zu einem magischen Ereignis, dem namensgebenden Ruf der Bahalyr.

Zu Beginn des Abenteuers dreht sich die Handlung um die Deutung der magischen Botschaft und die Vorbereitung einer Expedition, um dem Ruf zu folgen. Im Gegensatz zu früheren Abenteuern, wie An fremden Gestaden oder Sturmgeboren, wurde für diese Reise dankenswerterweise darauf verzichtet, an dieser Stelle eine aufwändige Wirtschaftssimulation einzuschieben. Dieser Teil ist angenehm offen gestaltet und stellt alle möglichen Reisestationen mit entsprechenden Szenenvorschlägen vor. Im Detail soll an dieser Stelle nicht auf jede Begegnung eingegangen werden, aber sowohl für erfahrene als auch für neue Spieler dürfte es einiges zu entdecken geben.

Die Reise führt die Helden und ihre Begleiter, darunter den Magier Anastasius Silberhaar, tief in die Salamandersteine. Dieses grüne Herz Nordaventuriens, die Heimat der Waldelfen, ist ohnehin ein unwegsamer Ort, an dem Menschen nicht willkommen sind und Reisende sich mit magischen Phänomenen herumschlagen müssen. Hinzu kommt, dass auch finstere Mächte auf den Ruf der Bahalyr aufmerksam geworden sind, die die Expedition nicht nur mit kleinen Nadelstichen sabotieren, sondern komplett vernichten möchten. Dass sie nicht immer offen agieren und mitten in der Wildnis gekonnt Zwietracht säen, macht sie umso erinnerungswürdiger. Zudem bietet dies auch gesellschaftlich ausgelegten Spielercharakteren Raum zu glänzen, selbst wenn sie gerade fernab jeglicher Zivilisation unterwegs sind.

Das Finale bietet in mystischer Umgebung eine erste größere Konfrontation mit diesen Gegenspielern und führt die Helden schließlich mit der Bahalyr zusammen. Worum es sich dabei handelt? Das erfahrt ihr im Spoilerkasten, in dem sich auch – Obacht! – Informationen zum kosmologischen Hintergrund der Sternenträger-Kampagne befinden.

SL-Informationen Eine Reise durch Licht und Traum Auch wer keinen Blick in den Spoilerkasten geworfen hat, kann sich vorstellen, dass Kampagnen mit einem Hintergrund, der tief in der aventurischen Historie wurzelt, schnell unübersichtlich werden können. Dahingehend gelingt es dem Autor, die Handlung anschaulich und verständlich darzustellen. Dennoch kann sich glücklich schätzen, wer noch die alte Elfen-Spielhilfe Aus Licht und Traum sein Eigen nennt. Die mitunter sehr komplexe Geschichte der Elfen in Aventurien wird im Abenteuer selbst nicht näher beschrieben und auch das entsprechende Kapitel im aktuellen Aventurischen Almanach geht nicht sehr ins Detail. Zumindest der Spielleiter sollte also wenigstens hinlängliche Vorkenntnisse der elfischen Historie haben, auch wenn Der Ruf der Bahalyr für die Spieler zunächst als simples Reiseabenteuer erscheint. Dessen weitreichende Auswirkungen werden aber durch den von Beginn an präsenten mythologischen Hintergrund erahnbar.

Obwohl das Abenteuer letztlich einer vorgegebenen Handlung folgt, bietet die Kampagne mit dem System der Seelenmakel-Punkte eine Möglichkeit, die Taten der Spielercharaktere zu bewerten und folgende Ereignisse entsprechend anzupassen. Dabei handelt es sich um Punkte, mit denen Erfolge der Gegenspieler nachgehalten werden können. Wie auch schon in der Theaterritter-Kampagne, einer anderen Kampagne für Das Schwarze Auge, sorgt dies dafür, dass jede Heldengruppe die zentralen Situationen des Abenteuers und der Kampagne leicht anders erleben dürfte. Eine weitere der vielen Zusatzregeln, die es inzwischen für Das Schwarze Auge gibt, die zum Glück aber sehr übersichtlich und nachvollziehbar gestaltet wurde, widmet sich der Bewegung in elfischen Traumwelten.

Erscheinungsbild Die Illustrationen sind durchweg sehr gut gelungen. Porträts wichtiger Nichtspielercharaktere vermitteln einen guten Eindruck dieser Personen und helfen beim Überblick in der (bisher) übersichtlichen Figurenriege der Kampagne. Zudem stechen die Darstellungen der fantastischen Landschaften hervor, durch welche die Helden in diesem Abenteuer reisen. Die Orte werden stimmig und nicht zu exotisch präsentiert, sodass trotz aller fantastischen Elemente die Zuordnung zum Spielhintergrund von Das Schwarze Auge klar erkennbar bleibt.

Auch das ansprechend gestaltete Kartenmaterial kann überzeugen und hilft der Spielleitung dabei, insbesondere am Finalschauplatz die Übersicht zu behalten. Dabei ist überdies das saubere Layout behilflich, das Infokästen passend platziert und einen reibungslosen Lesefluss ermöglicht.

Fazit Der Ruf der Bahalyr ist der Auftakt zu einer epischen Kampagne und so fühlt sich das Abenteuer beim Lesen auch an. Nach einer knappen, aber durchdacht aufgebauten, Einleitung werden die Helden auf eine Reise geschickt, die viele spannende und motivierende Elemente enthält. Erfahrene Spieler werden zudem Querverweise zu altgedienten Teilen des aventurischen Metaplots entdecken, während sie auf neue und altbekannte Meisterpersonen sowie Örtlichkeiten treffen.

Nichtsdestotrotz sollten sich auch verhältnismäßig neue Spieler von Das Schwarze Auge an diesem Abenteuer erfreuen können. Dies liegt daran, dass es dem Autor gelingt, das große Ganze, das sich im weiteren Verlauf der Kampagne entfalten wird, in verdaulichen Häppchen in die Handlung einzuweben. Dass bereits in diesem Abenteuer einprägsame Gegenspieler ausgeschaltet werden können, sorgt zudem für zufriedenstellende Teilerfolge.

Die Spielleitung sollte allerdings Vorwissen und gute Vorbereitung mitbringen. Hilfreich ist dabei die übersichtliche Einleitung des Abenteuers. Dort wird nicht nur die Handlung von Der Ruf der Bahalyr komplett dargestellt, sondern auch der weitere Verlauf der Kampagne zumindest grob umrissen.

Kurzum: Der Ruf der Bahalyr ist der übersichtliche, aber bei weitem nicht beschauliche, Auftakt einer großen Kampagne. Die Spieler erwartet Epik ohne großen Bombast und ein faszinierender Plot. Einzig der große Aufwand zur Vorbereitung trübt ein wenig die Vorfreude, spricht aber auch dafür, wie viel Potential dieses Abenteuer bietet. Deswegen zeigt der Daumen kerzengerade nach oben.



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CTHULHU: Nautischer Nachtmahr
Publisher: Pegasus Press
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 10/11/2019 04:29:37

https://www.teilzeithelden.de/2019/10/08/rezension-cthulhu-nautischer-nachtmahr-tiefe-raunt-der-tiefe-zu/

Drei Fahrten auf hoher See, drei tödliche Szenarien. Nautischer Nachtmahr schickt die Investigatoren in unermessliche Tiefen. Dass an den dunkelsten Stellen des Ozeans ungeahnte Schrecken lauern, ist seit jeher Teil des Cthulhu-Mythos. Ist das Thema also abgenutzt oder immer noch frisch? Die Teilzeithelden gehen auf Tauchgang und finden es heraus…

Nautischer Nachtmahr ist eine Anthologie für das Cthulhu-Rollenspiel, die drei Szenarien enthält, die auf hoher See oder in den Tiefen des Ozeans spielen. Alle drei beinhalten vorgefertigte Spielercharaktere, die auf das jeweilige Szenario abgestimmt wurden. Wer sich im Cthulhu-Mythos auskennt, mag aufgrund seiner Vorkenntnisse eine ungefähre Vorstellung davon haben, was auf ihn zukommt, könnte aber auch überrascht werden. Denn die drei Szenarien beinhalten Ansätze, sich dem Mythos zu nähern, die über Tiefe Wesen und versunkene Städte hinausgehen. Doch dazu mehr im folgenden Text.

Menschenfracht – Verlassen auf hoher See Das erste Szenario trägt den Namen Menschenfracht und wurde von Dominic Hladek geschrieben. Die acht möglichen Spielercharaktere befinden sich aus ganz verschiedenen Gründen auf einem Containerschiff, dass sie illegal von China in die USA bringen soll. Sie sind in einem der Container eingesperrt und wurden schon mehrere Tage nicht mehr mit Wasser und Nahrung versorgt, als das Szenario beginnt. Entsprechend verzweifelt ist ihre Lage und einige Mitreisende weilen bereits nicht mehr unter den Lebenden.

Während sie in Dunkelheit und Isolation ausharren, ist die Mannschaft des Schiffes einem Schrecken aus der Tiefe anheimgefallen. Ihr erstes Ziel sollte deswegen sein, einen Ausweg aus dem Container zu finden. Einige von ihnen haben auch noch andere Pläne, verborgen vor den anderen, was im weiteren Verlauf für zusätzliche Spannungen innerhalb der Gruppe sorgen dürfte. Die Gruppe selbst ist bunt gemischt und beinhaltet neben verzweifelten Auswanderern und Regimeflüchtlingen, darunter ein tibetischer Mönch, auch zwei US-Amerikaner, die bittere Launen des Schicksals in den Container gebracht haben. Diese Zusammensetzung sorgt natürlich auch für interessante Möglichkeiten zum Ausspielen von Interaktionen zwischen den Spielercharakteren.

Menschenfracht ist ein gnadenloses Szenario und bereits durch seinen Einstieg nichts für zartbesaitete SpielerInnen. Es ist in seinem Verlauf sehr offen gestaltet. Auf ihrer Suche nach einem Ausweg können die Spielercharaktere das Schiff erkunden, werden aber schon bald an ihre Grenzen stoßen. Beim Lesen drängt sich der Eindruck auf, dass es kaum zu schaffen ist, zumindest ein einigermaßen zufriedenstellendes Ende zu erreichen. Diese Ausgangssituation hat zwar durchaus ihren Reiz, kann aber auch schnell für Frustrationen sorgen. Deswegen sei dieses Szenario nur jenen Spielern empfohlen, die mit der Hoffnungslosigkeit an Bord und nicht zuletzt auch den menschlichen Abgründen in ihrer eigenen Gruppe umgehen können.

Eisgefängnis – Zum Ruhm von Mütterchen Russland In diesem Szenario von Jos Kayser schlüpfen die SpielerInnen in die Rollen sowjetischer Besatzungsmitglieder eines Atom-U-Boots. Eisgefängnis spielt 1981, also mitten im Kalten Krieg. Unerbittlich kalt ist auch der Schauplatz, denn es geht in das Eis der Arktis, wo sich die Crew der Akula nicht nur mit dem US-amerikanischen Klassenfeind auseinandersetzen muss, sondern auch mit unvorstellbaren Schrecken.

Im Gegensatz zu den anderen beiden Szenarien in Nautischer Nachtmahr, ist Eisgefängnis durchaus für einige Sitzungen ausgelegt. Die SpielerInnen steuern die Offiziere des Schiffes bei ihrer Suche nach einem Ausweg aus einer verfahrenen Situation und können auf einer arktischen Insel einiges entdecken – auch das, was besser unentdeckt geblieben wäre. Amüsante Randnotiz: Auch wenn sie von Gestrandeten unterschiedlicher Herkunft angefertigt wurden, sind die Handouts praktischerweise alle auf Deutsch.

Der Spielleitung wird dabei freie Hand gelassen, wie sich die Handlung entwickelt und wie sich das Szenario im Finale auflöst. Das erfordert zwar einiges an Vorbereitung, zahlt sich aber auch aus. Das unverbrauchte Szenario, das Jagd auf Roter Oktober mit Das Ding aus einer anderen Welt und der ersten Staffel von The Terror verbindet, ist angenehm offen gestaltet und beinhaltet das Potential für mehrere Spielabende.

Tangaroa – Unter Druck im Überdruck
Das dritte Szenario in diesem Band stammt aus der Feder von Michael L. Jaegers und führt die Spielercharaktere in eine unterseeische Forschungsstation. Ein Hilferuf hat sie dazu gebracht, in tiefste See aufzubrechen und nach dem Rechten zu schauen. Prompt entdecken sie einen Verletzten, der ihnen kurz erklären kann, was vorgefallen ist, dann aber zur Behandlung an die Oberfläche gebracht werden muss.

Während das Tauchboot etwa drei Stunden fürs Auftauchen und erneute Abtauchen braucht, sind die Spielercharaktere auf sich allein gestellt und müssen in Echtzeit versuchen, herauszufinden, was hinter den Vorkommnissen steckt. Dabei geraten sie in einen nervenaufreibenden Psychothriller, der zunehmend zum Überlebenskampf wird. Dass jeder der vorgefertigten Spielercharaktere zudem ein eigenes Geheimnis hat, von denen einige potenziell zu weiteren Konflikten führen können, sorgt für zusätzliche Anspannung.

Charmant ist, dass die Spielleitung selbst entscheiden kann, was genau hinter dem aufkeimenden Wahnsinn steckt, der zuerst den Leiter der Forschungsstation heimsuchte. Greift er nun auf alle Anwesenden über? Ist der Hintergrund biologisch oder im Cthulhu-Mythos verwurzelt? Was die SpielerInnen aus dieser Situation machen, ist unvorhersehbar, was natürlich einige Vorarbeit durch die Spielleitung erfordert. Diese kann sich aber durchaus lohnen, auch wenn die eigentliche Handlung letztlich recht dünn bleibt. Dies ist aber völlig in Ordnung, da das Abenteuer nur auf eine Dauer von zwei bis drei Spielstunden ausgelegt ist.

Wer Lust auf den Spielbericht zum sogenannten „Director’s Cut“ des Autoren Jaegers hat, findet ihn auf dessen Seite. Dieser Blick sei aber nur potentiellen Spielleitern von Tangaroa empfohlen.

Erscheinungsbild Werden die einzelnen Szenarien betrachtet, hat das Szenario Eisgefängnis klar die besseren und stimmigsten Illustrationen des Bandes. Die Illustrationen von Menschenfracht und Tangaroa sind solide, bieten aber noch Luft nach oben. Auch bei den Handouts kann das Szenario rund um das U-Boot Akula punkten. In Tangaroa hingegen sind manche Handouts unlesbar und wären ohne das beiliegende Transkript völlig unbrauchbar. Scheinbar wurden Fotos eines Notizbuches gemacht, die viel zu dunkel geraten sind, als dass man bei der schwer lesbaren Handschrift etwas erkennen könnte.

Fazit Nautischer Nachtmahr ist eine Anthologie, die auf den ersten Blick nicht sonderlich spektakulär erscheint. Drei verhältnismäßig kurze Szenarien, wahrscheinlich altbekannte Schrecken aus der Tiefe und eine etwas dröge Optik lassen schnell den Eindruck entstehen, soliden Standard aber auch nicht mehr in den Händen zu halten.

Doch bei näherer Betrachtung offenbaren sich die Stärken, die alle drei Szenarien gemeinsam haben. Ausgangssituationen wie in Menschenfracht (Flüchtlinge in einem Container) oder Eisgefängnis (Besatzung eines sowjetischen U-Boots) haben vermutlich die wenigsten RollenspielerInnen schon einmal erlebt. Auch eine Tiefseeforschungsstation wie Tangaroa wurde wahrscheinlich noch nicht oft angesteuert. In den letzten beiden Szenarien bietet sich der Spielleitung sogar die Möglichkeit, ganz eigene Interpretationen des Cthulhu-Mythos einzubringen.

Alle drei Szenarien gestalten sich im Aufbau und Verlauf sehr offen, was von der Spielleitung einige Vorbereitung und auch Übersichtsvermögen verlangt. Dies wird aber auch belohnt, denn dank der vorgefertigten Spielercharaktere mit ihren jeweils eigenen Intentionen, ist nicht nur ein unkomplizierter Spielstart möglich, sondern entfaltet sich auch ein Geflecht an zwischenmenschlichen Intrigen und Verbindungen im Spiel. Nautischer Nachtmahr ist deswegen nicht nur nichts für SpielerInnen, die gerne eigene Charaktere entwerfen und ausgestalten, sondern auch jenen nicht zu empfehlen, die vor dem Blick in die Abgründe verzweifelter Gruppendynamiken zurückschrecken. Wer jedoch den Konflikt zwischen Spielercharakteren vor der Kulisse zunehmenden Wahnsinns nicht scheut, wird mit dieser Anthologie seine wahre Freude haben.



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[4 of 5 Stars!]
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Lords and Lands: a Witcher TRPG Expansion
Publisher: R. Talsorian Games Inc.
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 09/16/2019 06:17:54

https://www.teilzeithelden.de/2019/09/09/rezension-lords-and-lands-a-witcher-trpg-expansion-cody-pondsmith/

Ein Jahr nach Erscheinen des Grundregelwerks veröffentlicht Talsorian Games die erste Erweiterung zum Hexer-Rollenspiel: Lords and Lands enthält neben einem Spielleiterschirm auch ein Regelheft, in dem der Name Programm ist: Der Adel und seine Ländereien kommen ins Spiel – außerdem Halblinge als neue Charakter-Option, ein NPC-Baukasten und neue Ausrüstung.

Am 29. Juli erschien das Grundregelwerk zu The Witcher Tabletop RPG aus dem Hause R. Talsorian Games und CD Projekt Red. Ein Jahr später, pünktlich zur diesjährigen GenCon in Indianapolis, hat R. Talsorian Games die erste Erweiterung zu seinem offiziellen Hexer-Rollenspiel herausgebracht. Die PDF-Version erschien am 1. August auf DriveThruRPG.com. Das Erweiterungspaket Lords and Lands ist das erste von mehreren angekündigten Erweiterungen und enthält einen Spielleiterschirm sowie ein Booklet mit neuen Spielinhalten: Eine Heldenklasse, eine spielbare Spezies, ein System zur Erschaffung von Alltags-NPC, ein Regelsystem zur Verwaltung von Ländereien und ein Kapitel mit Ausrüstung. Autor ist The Witcher TRPG-Chefentwickler Cody Pondsmith.

Inhaltsverzeichnis [zeigen]

Inhalt Der Spielleiterschirm Der vierteilige Spielleiterschirm entspricht weitgehend der Norm: außen bebildert, auf der Innenseite mit Tabellen für die wichtigsten spielrelevanten Regeln und Informationen bedruckt. Die Tabellen sind thematisch nach Farben sortiert, ihre Anordnung wirkt aber ziemlich willkürlich – zusammengehörige Regeln sind unzusammenhängend über den Schirm verteilt. Leider sind bei den Tabellen keine Seitenverweise zum Grundregelwerk angegeben.

Geht man davon aus, dass ein Spielleiterschirm vor allem das enthalten sollte, was man braucht, wenn es schnell gehen muss, erscheint die inhaltliche Auswahl mancher Tabellen befremdlich – genauso wie das Fehlen von einigen anderen. So haben es beispielsweise die recht wichtigen Regeln zu Wortgefechten („verbal combat“) nicht auf den Schirm geschafft, dafür aber beispielsweise allgemeine Tipps zum Spielleiten, die eher nicht spontan zum Einsatz kommen werden.

Davon abgesehen stellt sich auch die Frage, ob wirklich auf jeder der vier Innenseiten des Schirms eine größere Illustration hätte eingebaut werden müssen. Natürlich sind Dekoration und Ambiente am Tisch auch für den SL wichtig – hier allerdings wird dann doch viel Platz verschenkt, auf dem man noch die eine oder andere hilfreiche Spielregel hätte unterbringen können. Das ist vor allem ärgerlich, wenn man bedenkt, dass es in diesem Bereich zum Witcher-RPG längst brauchbare und gut strukturierte Fan-Produkte im Internet gibt, beispielsweise diese Spielleiterschirm-Einlage auf GM-Binder.

Das Booklet Das beigelegte Heft zum Spielleiterschirm enthält die eigentliche Erweiterung, in der es um die namensgebenden Lords und Lands geht. Das Cover ziert, thematisch passend, ein Bild von Königin Meve von Lyrien und Rivien, bekannt aus dem Videospiel Thronebreaker: A Witcher Tale.

In aller Knappheit: Allerwelts-NSC Das erste Kapitel widmet sich auf vier Seiten der Erschaffung von Allerwelts-NPC für die eigene Witcher-Kampagne. Dazu wird im Grunde das normale Charaktererschaffungs-System aus dem Grundregelwerk verwendet, allerdings mit stark eingeschränkten Optionen und deutlich weniger Punkten. Die Anleitung zur Erstellung solcher Charaktere beansprucht mit reichlich Fülltext eine Seite, weitere drei Seiten liefern insgesamt sechs beispielhaft ausgearbeitete Allerwelts-NPC, darunter Handwerker, Gelehrte und Künstler. Wer hier spielfertige Kontrahenten für seine Gruppe, wie etwa Stadtwachen oder Ähnliches, erwartet hat, wird enttäuscht.

Kurz und gut: Halblinge Eine weitere Buchseite beschäftigt sich mit der neuen spielbaren Spezies, den Halblingen, und liefert eine allgemeine Beschreibung, die spielmechanischen Eigenschaften, einen Einblick in die Halbling-Gesellschaft und als Ergänzung ein paar Tipps zum Lebenslauf-Modul für Halbling-Charaktere sowie eine Übersicht zum sozialen Status der Halblinge in verschiedenen Ländern. Das Ganze ist kompakt und übersichtlich, wie bei den anderen Spezies im Grundregelwerk, und liefert alle wesentlichen Informationen. Im Spiel bieten die Halblinge mit ihrer angeborenen Magieresistenz sicherlich einige neue und reizvolle Möglichkeiten. Dass allerdings die komplette vorausgehende Seite für eine nichtssagende Füll-Illustration verwendet wird, der Halbling dafür aber ohne Bebilderung auskommt, ist nur schwer nachvollziehbar.

Skilltree der neuen Charakterklasse Adel verpflichtet: Die neue Charakterklasse Mit dem Noble, also dem Adligen, bringt Talsorian eine neue spielbare Charakterklasse an den Start – komplett mit eigener Klassen-Fähigkeit und Spezialfertigkeiten-Baum. Spielmechanisch macht der Adlige einen Spagat zwischen sozialen und kämpferischen Eigenschaften: Als Dilettant wird er zum Alleskönner und außerdem zum geschickten Blender. Als Ritter ist er im berittenen Kampf besonders gefährlich, kann seine Gruppe moralisch unterstützen und seine Rüstung aktiv einsetzen, um Schaden zu negieren. Als Anführer schließlich kann der Adlige Kommandos geben und so Verbündete unterstützen. Er kann sich außerdem ein Gefolge aus NPC-Dienern aufbauen und am Ende sogar sein eigenes Anwesen verschaffen.

Kurztrip in die Immobilienwelt Witcher-Fans kennen die Erweiterung Blood&Wine zu The Witcher 3, in der Geralt sein eigenes kleines Weingut nach seinen Vorlieben gestalten kann. Ganz in diesem Sinne funktioniert auch das Anwesen-System von Lords and Lands. Als Spielercharakter würde Geralt dabei aber in die Röhre gucken, denn Estate ist eine exklusive Fähigkeit der neuen Adligen-Klasse und steht anderen Charakterklassen nicht zur Verfügung.

Aber auch für einen frisch erstellten Adligen-Charakter bleibt die eigene Burg mit ausgedehnten Ländereien, einer großen Anzahl Gefolgsleute und Einkünften, die einen adligen Lebensstil tragen würden, ein Luftschloss – selbst voll aufgewertet verschafft die Estate-Fertigkeit ihrem Besitzer bestenfalls ein mittelgroßes Landgut. Das zugehörige Ausbau-System umfasst eine Buchseite und ermöglicht dem Adligen, sein Anwesen um bestimmte Gebäude, spezielles Personal oder andere Ausstattung zu erweitern, die jeweils mit wenigen Sätzen beschrieben werden – beispielsweise eine Folterkammer, ein Arzt, ein Gewächshaus oder Werkstätten. Ist der Adlige daheim, kann er diese Einrichtungen nutzen – auf Reisen fern der Heimat hingegen hat er aber nichts davon. Das Anwesen erwirtschaftet für den Adligen außerdem kein Geld und er kann sein Gefolge (das ohnehin nur aus Allerwelts-NPC besteht) auch nicht ohne weiteres für Unternehmungen außerhalb seiner Ländereien einsetzen.

Durch alle diese Limitierungen stellt die Anwesen-Option insgesamt kaum mehr als ein nettes Gimmick dar und wird wohl in den meisten etablierten Gruppen ungenutzt bleiben – sofern der Spielleiter die Option nicht per Hausregel auch anderen Klassen verfügbar machen will.

Ausrüstungs-Update: Dies und das Die letzten beiden Seiten des Booklets enthalten das zweite Ausrüstungs-Update der Reihe Rodolf‘s Wagon – die erste Ausgabe gibt es auf der Homepage von R. Talsorian Games. Das bunt gemischte Sammelsurium an neuer Ausrüstung umfasst fünf eher exotische Waffen, vier alchemistische Rezepturen und acht ganz verschiedene allgemeine Ausrüstungsgegenstände, darunter gefälschte Münzen, Vergoldung für Ausrüstungsgegenstände und eine Pestmaske. Alles in allem eine ziemlich willkürlich zusammengewürfelt wirkende Auswahl von „nice to haves“ und nichts, was den meisten Gruppen sonderlich gefehlt haben dürfte.

Erscheinungsbild Der Gesamtumfang von Lords and Lands ist nicht üppig. Im Paket enthalten sind der Spielleiterschirm mit vier Paneelen im A4-Format und das Booklet mit 16 Seiten – von denen nach Abzug von Deckblatt, Impressum, Index, zwei ganzseitigen Innenillustrationen und dem Rückencover aber nur 10 Seiten tatsächlicher Inhalt übrig bleiben. Da wir zur Rezension die digitale Download-Version der Erweiterung benutzt haben, können wir über die Qualität des gedruckten Produkts leider keine Aussagen machen.

Was die Gestaltung betrifft, ist der Spielleiterschirm dekorativ gemacht. Er ist von beiden Seiten vollfarbig gestaltet, auf der den Spielern am Tisch zugewandten Außenseite werden vierzehn bunte Artworks aus dem Witcher-Videospiel-Franchise gezeigt. Die Bilder sind durchgängig von guter Qualität. Dazu kommt das Booklet, ebenfalls im A4-Format und in Vollfarbe. Layout und Bebilderungen entsprechen dem Grundregelwerk und wirken professionell – auch hier wurden durchgängig farbige und hochwertige Concept Arts und Illustrationen aus den Witcher– und Gwent-Videospielen verwendet – darunter allerdings auch einige, die man schon aus dem Grundregelwerk kennt. Größere Fehler in Text und Layout sind keine aufgefallen.

Fazit Lords and Lands kann sich irgendwie nicht recht entscheiden, ob es nun lieber Fisch oder Fleisch sein möchte. Der Spielleiterschirm ohne das Booklet hätte kaum den Namen Erweiterung verdient, aber für eine ernstzunehmende Erweiterung ist das Booklet einfach zu dünn. Viele Inhalte sind so knapp und oberflächlich angerissen, dass ein nennenswerter Zugewinn am Spieltisch fraglich ist. Das Ländereien-System ist nur für eine sehr kleine Zielgruppe relevant und auch der neue NSC-Generator ist zwar nett, aber absolut nichts, was ein findiger Spielleiter sich nicht auch selbst schnell zusammenbasteln könnte. Immerhin, mit den Halblingen und Adligen wird das Angebot an spielbaren Charakterkonzepten etwas vielfältiger und auch über ein paar Ausrüstungs-Optionen dürften sich einige Spieler und Spielleiter freuen.

Beim Kosten-Nutzen-Verhältnis macht Lords and Lands leider keine gute Figur. Mit 25 US-Dollar ist der Preis, verglichen mit dem mehr als 300-seitigen Witcher TRPG-Grundregelwerk für 25 (als PDF) beziehungsweise 50 (gedruckt) US-Dollar ziemlich happig. Was die Druckversion angeht, lässt sich der Preis vielleicht noch durch die Produktionskosten rechtfertigen – bei der digitalen Ausgabe ist das freilich kein Argument. Letztere gibt es momentan zwar zum halben Preis – wie lange diese Aktion dauern soll, ist aber unbekannt.

Insgesamt ist Lords and Lands deshalb eher ein Produkt für Sammler und diejenigen Spieler, die unbedingt alle offiziellen Regelwerks-Optionen zur Verfügung haben wollen. Natürlich kommen Hardcore-Halbling-Fans und alle, die unbedingt schon mal einen aufgeblasenen Chevaliér aus Toussaint spielen wollten, kaum um die Erweiterung herum. Alle anderen werden, wenn sie beim Grundregelwerk bleiben, allerdings kaum etwas verpassen. Entsprechend mittelmäßig fällt deshalb auch unsere Wertung aus.



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[3 of 5 Stars!]
Lords and Lands: a Witcher TRPG Expansion
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Die Schwarze Katze - Regelwerk (PDF) als Download kaufen
Publisher: Ulisses Spiele
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 09/11/2019 02:50:05

https://www.teilzeithelden.de/2019/09/04/rezension-die-schwarze-katze-ein-blick-ins-regelwerk/

Katzen, die Kleidung tragen? Rudelkämpfe in Havena? Was ist denn da in Aventurien los? Das wollte auch unser Redakteur Torben wissen und hat fleißig das Crowdfunding zu Die Schwarze Katze unterstützt. Ob er die Katze im Sack gekauft hat oder nun glücklich über seinen Fang schnurrt, lest ihr hier.

„SO GING ES ALLE TAGE, UND DER KATER BRACHTE ALLE TAGE GELD HEIM.“

(Der gestiefelte Kater – Gebrüder Grimm)

Und fürwahr, Mitte Januar 2019 brachte der Kater oder besser Die Schwarze Katze im Crowdfunding mehr als 175.000 EUR nach Hause und damit einen großen Erfolg für Autor Jens Ullrich. Entsprechend hoch waren aber auch die Erwartungen an das Produkt, als ich DSK bei uns am Spieltisch vorstellte. Insbesondere die alteingesessenen DSA-Spieler wollten wissen, wieviel vom Schwarzen Auge in der Schwarzen Katze steckt. Mir als Redakteur brannte die Frage unter den Krallen, warum Ulisses nach dem Erscheinen des Havena-Regionalbandes nun gleich wieder zu dieser Stadt zurückkehrt. Die Neulinge unter uns wollten natürlich wissen, ob die Regeln schnell und einfach zu erlernen sind. Und ehe wir uns versahen, waren wir als Katzen erwacht und auf Samtpfoten ins Abenteuer losgestiefelt.

Auswahl spielbarer Archetypen (Straßenkämpferin, Müllwühler und Wissender) Aber von Anfang an! Was ist Die Schwarze Katze eigentlich? Mit den Worten von Jens Ullrich: „Im Kern geht es um den gestiefelten Kater in Aventurien. Also um aufrechtgehende, intelligente Katzen, die in Aventurien ihr Unwesen treiben. Unbemerkt von den Menschen haben sie ihre eigene kleine Gesellschaft entwickelt, die sich nachts an geheimen Orten trifft, um Handel oder Unfug zu treiben. Im Endeffekt geht es dabei um einen Perspektivwechsel. Man kann das altbekannte Aventurien aus einem neuen Blickwinkel neu entdecken.“

Wenngleich das Crowdfunding aufgrund der hohen erbrachten Summe von Bonusprämien nur so wimmelt, braucht es nicht viel zum Spielen. Das DSK–Regelwerk genügt und bietet nicht nur das Reglement, sondern auch gleich den passenden Crunch und Fluff in Form von Regelerweiterungen bzw. Hintergrundbeschreibungen.

Die Spielwelt Kaum eine Spielwelt ist so detailliert beschrieben wie die Welt des Schwarzen Auges. DSK nutzt damit von Anfang an einen großen Vorteil, weil es auf eine existierende Rollenspielwelt zurückgreift und somit die Hintergrundbeschreibungen nicht neu erfinden muss. Wer jetzt aber glaubt, die Autoren hätten sich auf die faule Haut gelegt und einfach aus der noch relativ neuen Havena-Regionalspielhilfe abgeschrieben, der ist auf dem Holzweg. Das Regelwerk überzeugt mit einer narrativen Beschreibung der Stadt und ihren Bewohnern, nimmt die Leser auf eine abenteuerliche Geschichte mit in die Gassen der Stadt und lässt ihn diese aus Sicht der Katzen erleben.

Eine erwachte Katze beim Basteln nützlicher Dinge. Damit bringt DSK nicht nur das Leben der Katzen von Anfang an in den Fokus der Stadtbeschreibung, sondern liefert unweigerlich auch schon eine große Menge an Ansätzen für Abenteuerideen.

Es ist geradezu ein Genuss, die aventurische Welt aus Sicht der „erwachten“ Vierbeiner kennenzulernen und dabei auf alte DSA-Geschichten und -Gimmicks zu stoßen.

Die Regeln Neben einer ausführlichen Beschreibung des „Erwachens der Katzen“ und ihrem gesellschaftlichen Leben, verborgen vor den Menschen, bietet das Regelwerk aber vor allem das, wofür es steht: Regeln. Und die sind neu, ganz und gar nicht mehr DSA. Selbstverständlich orientiert man sich noch an vielen Dingen wie Eigenschaften oder den Fertigkeiten, aber schon hier kommen die ersten deutlichen Unterschiede ans Licht. „Friemeln“, „Umschmeicheln“ und „Basteln“ sind beispielsweise Fertigkeiten, die explizit auf das Wesen der Katzen zugeschnitten wurden. Die Autoren haben sich viel Mühe gegeben, um unmissverständlich deutlich zu machen, dass DSK eben nicht DSA ist und setzen klare Grenzen im Regelbereich. Der beliebte W20 (20seitiger Würfel) kommt zwar nach wie vor zum Einsatz, aber für Probenwürfe muss man mit nur zwei Würfeln auskommen (bei DSA sind es drei).

Die Werte, auf die man bei Fertigkeiten eine Probe ablegt, errechnen sich nach einer zunächst kompliziert wirkenden Formel: [erforderliche Eigenschaft 1 + erforderliche Eigenschaft 2] geteilt durch zwei + Fertigkeitswert (FW) + Fünf = Probenwert (PW). Die Fertigkeit „Körperbeherrschung“ zum Beispiel benötigt die Eigenschaften „Gewandtheit (GE)“ und „Konstitution (KO)“ und so ergibt sich beispielsweise ein Probenwert von [GE12+KO13]/2+FW3+5 = PW20,5 bzw. gerundet PW21. Der Aufwand, diese Werte zu errechnen, schreckt erst einmal ab. Da dieser Aufwand aber nur einmalig geleistet werden muss, offenbart sich schnell der große Vorteil. Beim Würfeln von Proben muss nur noch der Probenwert abgelesen und mit zwei W20 unterboten werden, fertig ist das Probensystem. Bei Eigenschaften funktioniert es ähnlich ([Eigenschaft*2]-5) und auch im Kampf findet das Probensystem, wenngleich etwas abgewandelt, Anwendung.

Es handelt sich zwar nur um ein Grundregelwerk und daher wäre die Forderung nach einer großen Menge an Regeln und Regelerweiterung sowieso übertrieben, aber schon beim ersten Querlesen fällt positiv auf, dass die Regeln gut ausgewählt und vor allem verschlankt wirken.

Allgemeine Sonderfertigkeiten, Vor- und Nachteile, Kampfsonderfertigkeiten, alles wurde auf die Bedürfnisse der Katzen angepasst. Einzig die Erklärungen sind stellenweise etwas mau, wenn man als Rollenspielneuling das Regelwerk in Händen hält. Während des Spielens hat sich zudem gezeigt, dass der inhaltliche Aufbau des Regelwerks nicht optimal bedacht wurde und man häufig um die Archetypen herumblättern muss, welche sich zwischen den Seiten der Grundregeln und den Seiten der Fertigkeitsbeschreibungen befinden.

Charaktererschaffung Mit drei Rassen (Aranier, Firunsbärchen und Scheunenkatze) und drei Kulturen (Hauskatze, Straßenkatze und Tiefling), sowie 14 Professionen ist die Auswahl recht übersichtlich gehalten. Wer sich die berechtigte Frage stellt, ob es nicht auch andere Katzenrassen geben kann die „erwacht“ sind, andere Kulturen und Professionen, der wird mit einem Baukastensystem belohnt, welches schnell Abhilfe schafft.

Somit steht auch einer Al’Anfaner Vorstadtkatze oder einer Cha’ay-Zhamorrah-Hellseherin nichts im Wege (aventurische Katzen findet man unter anderem in Aventurische Tiergefährten – wir berichteten!)

Die liebevolle Arbeit, die hinter diversen, maßgeschneiderten Vor- und Nachteilen wie beispielsweise dem „Kistenschläfer“ steckt, lassen nicht nur die Katzenliebhaber schmunzeln. Nach einigen langwierigen Berechnungen und vielem Hin- und Herblättern kann man dann auch mit einem selbstentworfenen Kätzchen ins Abenteuer aufbrechen. Wem das zu lange dauert oder zu schwierig ist, und hier ist der Neueinstieg wirklich nicht ganz einfach, der kann sich aber auch einen der vorgefertigten Archetypen nehmen. Diese bringen nicht nur alle Werte mit, die zum Losspielen benötigt werden, sondern sind mit tollen Hintergrundgeschichten beschrieben, sodass es einfacher ist, sich in die Rolle hineinzuversetzen.

Spielbarkeit aus Spielleitersicht Anreize zum Spiel sind schnell gefunden, das Regelwerk platzt mit kleinen Andeutungen, die sich bequem in Aufhänger für Abenteuer umarbeiten lassen, fast aus den Nähten. Wären da nur nicht die typischen Eigenheiten der Katzen – selbstverliebt, besitzergreifend, arrogant. Für Spielleiter und vor allem für Neulinge ist es eine große Hürde, aus „Eigenbrötlern“ eine Gruppe zu erschaffen, die bestenfalls gemeinsam an einem Strang zieht. Langfristig stellt es aber auch die Möglichkeit dar, die Gruppenzusammenstellung von Abenteuer zu Abenteuer neu zu mischen. Katzen bleiben halt nur selten als Gruppe zusammen – es sei denn, sie gründen ein eigenes Rudel.

Spielbarkeit aus Spielersicht

Die „Wissenden“ versorgen die Katzen mit Informationen – nützlichen und unnützen. Dank der ausführlichen Hintergrundgeschichte und den vielen Szenarien, die Havena bereithält, ist es für die Spieler ein unglaubliches Vergnügen, in die Rolle der Katzen zu schlüpfen. Gerade alteingesessenen DSA-Spielern bietet der Perspektivwechsel einen ganz neuen Reiz und lässt sie die Welt ganz neu entdecken. Das Spiel als Katze bringt zudem ein vollkommen neues Spielgefühl mit sich, da die Eigenheiten des felinen Wesens in den Vordergrund rücken. Prioritäten müssen gänzlich neu gesetzt werden, schon das Beschaffen der Nahrung kann ein ausgedehntes Abenteuer sein. Genau diese Veränderung des Rollenspielverhaltens kann aber für Spieler auch unbefriedigend sein, da die Katzen keine klassischen „Helden“ mehr sind. Wenn das Streiten für Recht und Ordnung einen niedrigeren Stellenwert einnimmt als die Eroberung des Sahnekruges, muss man als Spieler seine Ansprüche ans Rollenspiel neu überdenken.

Spielbericht Zum Ausprobieren der Regeln und Spielmechanismen sowie der Erkundung der bekannten und doch unbekannten Welt Havenas wurde das Abenteuer „Jenseits des Spiegels“ aus der Abenteueranthologie „Nachtgeheul“ gespielt. Das Abenteuer war bereits in einem „Let’s play“ mitzuerleben.

Für unseren Spieltisch entschieden wir uns für eine Straßenkämpfer-Katze, eine vornehme Dachtänzerin aus der Oberschicht, einen Mäusejäger vom Hafen und ein Zerzalkind (vergleichbar mit einem Geisterbeschwörer). Ein Teil der Charaktere wurde selbst erstellt, während die Neulinge sich mit den Archetypen zufriedengaben.

Nach einer kurzen Einführung in das Setting konnten wir direkt losspielen. Die Regeln waren leicht umsetzbar und dank eines Spielleiters mit DSA-Erfahrungen auch für diesen nicht zu komplex.

Während die alten Hasen sich etwas schwer taten sich in die ungewohnte Rolle einzufinden, gelang es den Neulingen sehr gut. Textbeschreibungen (besonders aus dem Regelwerk) wurden vom Spielleiter oft eins zu eins abgelesen, um das Flair und die Atmosphäre der Region zu unterstreichen.

Besonders gut kam bei den Spielern das Kampfsystem an, welches auf eine aktive Parade verzichtet und somit im Vergleich zu DSA an Geschwindigkeit dazugewinnt.

Auch die verschiedenen Besonderheiten der Charakterklassen kamen im Abenteuer zum Einsatz, sodass rückblickend gesagt werden kann, dass jede Klasse ihren eigenen Reiz und ihre Berechtigung hat. Im Nachhinein waren die Spieler froh, keine Tieflinge in der Gruppe akzeptiert zu haben (es wurde dahingehend abgestimmt), da es starke Bedenken der Spielbarkeit einer derart gemischten Gruppe gab. Letztlich ist aber auch dies nur eine kleine Hürde für die Spielleitung, denn grundsätzlich gibt es immer irgendwelche „Exoten“, die in eine Gruppe integriert werden wollen.

Erscheinungsbild Das tolle Layout des Regelwerkes hat seinen ganz eigenen Charakter und grenzt sich auch an dieser Stelle klar von DSA ab. Besonders auffallend sind die zahlreichen bewundernswerten Innen-Illustrationen, welche dem Leser bereits ein genaues Bild des städtischen Treibens und des felinen Lebens vermitteln. Aber auch die Cover-Illustration von Nadine Schäkel darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, setzt sie doch ein altbekanntes Bild völlig neu in Szene. Für ein Regelwerk passend sind viele Wertekästen und Randinformationen enthalten und sichtbar hervorgehoben, sodass Informationen schnell auffindbar sind. Insgesamt ist das Regelwerk gut lesbar und von der Reihenfolge der Themen abgesehen auch gut strukturiert aufgebaut.

Bonus/Downloadcontent Es ist kein Bonuscontent enthalten.

Fazit Das neue Rollenspiel Die Schwarze Katze bietet auch für Neueinsteiger eine Menge spannender Abenteuer und Geschichten, welche sich aus Sicht einer Katze – in Gestiefelter-Kater-Manier – erleben lassen. Dass DSK dabei auf die bereits existierende Welt des Schwarzen Auges (DSA) zurückgreift hat seine Vor- und Nachteile. Für alteingessene DSA-Kenner ist ein lohnenswerter Perspektivwechsel, der aber nicht mehr dem typischen Helden-gegen-das-Böse-Schema folgt. Für Neulinge hingegen ist das Verständnis einiger Regeln sicherlich zu komplex, dafür liefert die Charaktererschaffung aber mit exzellent ausgearbeiteten Archetypen Abhilfe. Ansonsten gilt auch hier: learning by doing!

Das Regelwerk ist zudem mehr als nur eine Sammlung von Grund- und Erweiterungsregeln. Es bietet einen umfassenden Hintergrund zu der Entstehung der „Erwachten“ und eine ausführliche, narrative Beschreibung der Stadt Havena, ihrer Persönlichkeiten und Mysterien – selbstverständlich aus Sicht der Katzen. Zudem bietet es mit den liebevoll gestalteten Texten und eindrucksvollen Illustrationen zahlreiche Ansätze für Plot- und Charakterideen

Wer als Neuling durch die Rollenspielwelt stiefelt, sollte sich erstmal einen alten DSA-Hasen an die Seite holen, aber es lohnt sich definitiv für das DSK Regelwerk ein paar Mäuse auszugeben.



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[5 of 5 Stars!]
Die Schwarze Katze - Regelwerk (PDF) als Download kaufen
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Pythos Tabletop Roleplaying Game (PDF Edition)
Publisher: Starlit Games LLC
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 09/11/2019 02:47:30

https://www.teilzeithelden.de/2019/08/17/ersteindruck-pythos-fantasy-mit-mythologischem-flair/

Eine faszinierende Welt voller Mythen und Mysterien, ein neuartiges Kampfsystem, um ihre Monster heldenhaft zu besiegen, und über all dem: gesunder Menschenverstand. Nicht weniger verspricht das Indie-Rollenspiel Pythós, das von klassischer Mythologie inspiriert wurde. Ersteindruck eines schrägen, interessanten und doch immer wieder bekannt erscheinenden Systems.

Eine außergewöhnliche Spielwelt, ein innovatives, inklusives Spielkonzept und auch für Rollenspiel-Neulinge verständliche Regeln – die Macher von Pythós versprechen nicht gerade wenig in der Vorstellung ihres Produkts. Ob das System dies halten kann, lest ihr hier.

Die Spielwelt Das Setting von Pythós ist ein riesiger Kontinent, der viele verschiedene Klimazonen und Landschaftsformen beinhaltet. Entsprechend unterschiedlich sind die Kulturen der Menschen – im Buch als „Sterbliche“ bezeichnet – die in ihnen leben. Da gibt es zum Beispiel die hartgesottenen Yngvar, die den Wikingern ähneln und in der kalten Südpolregion der Spielwelt leben, oder die kleinwüchsigen und grünhäutigen Dschungelbewohner, die Itu. Neben Sterblichen gibt es in dieser Welt allerdings auch noch Titanen, die lebende Verkörperungen der Naturgewalten sein sollen, sowie Engel, Dämonen und neutrale Naturgeister. Götter gibt es natürlich auch. Ihre Inspiration für das Setting ziehen die Schöpfer des Systems aus den vielen Mythologien der realen Welt.

Während die technologische Entwicklung der verschiedenen Völker unterschiedlich ist, geht das Setting doch generell von einem Niveau aus, das in etwa unserer Eisenzeit entspricht, auch wenn das am häufigsten verwendete Metall immer noch Bronze ist. Eine weitere Besonderheit, die wohl vor allem den Archäologen und Historikern Freude bereiten wird: das verbreitetste Zahlungsmittel ist Silber, nicht etwa Goldmünzen wie in den meisten Fantasy-RPGs. Das hält die Spieler mit (zu) viel Wissen über die alte Welt davon ab, sich ständig über die inflationären Goldpreise aufzuregen und erspart allen die Umrechnungskurse.

Auch wenn das Muster „Charaktere formen eine Gruppe, um abenteuernd durch die Lande zu ziehen, Dörfer vor Monstern zu retten und dabei Gold und Ruhm zu erlangen“, nach dem auch dieses Setting gestrickt ist, aus vielen Fantasy-Systemen bekannt ist, ist die Welt von Pythós doch etwas ganz Eigenes. Sie lehnt sich zwar wie viele andere an Geschichte und Mythologie der realen Welt an, doch geht sie dabei nicht die altbekannten Wege, sondern bringt einige neue Ideen ein. Die verschiedenen Kulturen, ihre Riten und Religionen werden knapp aber verständlich erklärt. Götter sind in dieser Welt real und können großen Einfluss auf das Leben der Helden nehmen. Wie der Glaube an sie ausgelegt wird, liegt jedoch bei der Gruppe.

Die Regeln Das Regelsystem von Pythós basiert auf W10. Tests werden grundsätzlich mit einem W10 gewürfelt, dessen Ergebnis zu Boni, etwa durch das passende Attribut des Charakters oder andere Eigenschaften, hinzugezählt und mit einem Zielwert verglichen wird, der erreicht oder übertroffen werden muss. In manchen Situationen kann die Spielleitung einen „Favour“ gewähren, was bedeutet, dass der Spieler zweimal würfeln und das bessere Ergebnis nehmen darf. Genauso kann aber auch ein „Disfavour“ verhängt werden, wo ebenfalls zweimal gewürfelt wird, aber das schlechtere Ergebnis gilt.

Über all dem steht die „Rule of Common Sense“, die Regel des gesunden Menschenverstands, frei übersetzt. Wenn eine Aktion angesagt wird, die grob gegen die Gesetze der Physik oder der Wahrscheinlichkeit verstößt oder auf irgendeine andere Weise überhaupt keinen Sinn ergibt, scheitert sie. Wenn die Regeln in einer Situation selbst gegen den gesunden Menschenverstand verstoßen, sind sie ebenfalls für diese außer Kraft zu setzen. Der Autor gibt zwar zu, dass diese Regel Konflikte nicht nur verhindern, sondern auch auslösen kann, appelliert aber an die Leser, sich vernünftig zu verhalten. Ob dies funktioniert, wird wohl auf die Persönlichkeiten in der Gruppe ankommen, jedoch kann es meines Erachtens kaum schaden, sich vor Spielbeginn ins Gedächtnis zu rufen, dass auch in einer Welt voller Magie noch gewisse Naturgesetze gelten.

Generell sind die Regeln einfach und richten sich explizit auch an Rollenspiel-Neulinge. Der Autor ist dabei besonders bedacht auf inklusive Sprache und ein Spielkonzept, das Menschen jeglicher Herkunft und aller Geschlechter ansprechen soll. Immer wieder wird Respekt am Spieltisch angemahnt. Das ist eine gute Sache, aber so revolutionär wie die Werbung für Pythós es darstellt, ist es nicht. Heutzutage bemühen sich viele neue Regelwerke (z.B. das 2018 erschienene System John Carter of Mars) um inklusivere Sprache und Spielkonzepte.

Jeder Charakter hat vier Attribute, Combat – das allerdings neben dem Kampf auch für andere körperliche Fähigkeiten wie Klettern gebraucht wird –, Skill – das alle eher subtilen Fähigkeiten von Akrobatik über Bluffen bis hin zu Kunstverständnis unterstützt – Endurance, das etwa Konstitution entspricht, und Will – das hauptsächlich für magische und spirituelle Fähigkeiten verwendet wird. Dem Klassiker D&D nicht unähnlich, starten die Charaktere auf Level 1 mit 10 Punkten in jedem dieser Attribute und bekommen 6 weitere Punkte, um diese zu erhöhen. Die Charaktere sind von Anfang an als Helden konzipiert – die Attribute gewöhnlicher Menschen (also die der meisten NSC) sind laut Regelbuch generell als 10 anzunehmen.

Je nach Herkunft gibt es Boni auf die Attribute, denn anstelle der klassischen Fantasy-„Rassen“, also spielbaren humanoiden Wesen mit unterschiedlichen Eigenschaften, gibt es eine Auswahl von sieben menschlichen Völkern (die allerdings im Aussehen weiter variieren als die Menschen der realen Welt), deren Anpassung an die Kultur und naturräumlichen Gegebenheiten ihrer Heimat ihnen unterschiedliche Vorteile als Startvoraussetzung bringen. Die sechs wählbaren „Archetypen“ ähneln den Charakterklassen, die man aus Fantasy-Systemen gewöhnt ist – da gibt es Jäger, Krieger, Mönche, Magier, „Weise“ und „Trickster“, wobei Letztere die Klassen von Barde und Dieb zusammenfassen.

Innerhalb dieser Archetypen bleibt allerdings noch Spielraum, wie genau der Charakter ausgelegt wird. Mit der Zeit werden die Archetypen – ebenfalls ein altbekanntes System – in Leveln gesteigert. Ein Charakter kann mehrere Archetypen ansammeln, jedoch wird der, in dem er das erste Level hatte, immer der Kernarchetyp bleiben, was mit speziellen Vorteilen und dem Startequipment des Charakters verbunden ist.

Außer Attributen müssen noch Talente – die Fertigkeiten entsprechen –, „Powers“ – welche wohl in den meisten anderen Systemen „Talente“ heißen würden – und Manöver – spezielle Kampffähigkeiten – gewählt werden. Diese ungewohnte Terminologie und der große Katalog an verschiedenen Fähigkeiten machen den Charakterbogen eher unübersichtlich. Andererseits kann ein Startcharakter auf Level 1 auch nur eine sehr begrenzte Anzahl davon haben. Im Spiel wird es also erst später kompliziert – die Charaktererschaffung gestaltet sich jedoch etwas mühsam, da die Spieler erst einmal die Qual der Wahl haben.

Kampfsystem – bitte alle auf einmal! Ein Alleinstellungmerkmal von Pythós ist das Kampfsystem. Statt eine Begegnung mit Widersachern in Runden abzuarbeiten, handeln hier alle gleichzeitig. Was schwierig – wenn nicht gar unmöglich – zu ordnen klingt, soll helfen, alle Gruppenmitglieder beschäftigt zu halten, sodass sich niemand beim Warten auf die eigene Runde langweilt, was Kämpfe bekanntlich zu einer nervtötenden Angelegenheit machen kann.

Kämpfe in Pythos gliedern sich in Runden, welche sich ihrerseits in Phasen gliedern. Das funktioniert nach folgendem Muster:

Schritt 1: Beschreiben – die Spielleitung beschreibt der Gruppe die Szenerie. Schritt 2: Entscheiden – Spieler und Spielleitung entscheiden, was sie als nächstes tun wollen. Es ist dabei eher nicht erwünscht, lange Gefechtspläne auszuarbeiten, denn schließlich haben die Charaktere im Spiel dafür auch keine Zeit Schritt 3: Ansagen – jeder Spieler sagt seine geplante Aktion an. Dafür sieht das System Karten vor, die die Spieler vor sich auslegen. Es gibt „Aktionskarten“ und „Manöverkarten“, wobei ein Manöver eine komplexere Handlung beschreibt, die aus mehreren Teilen besteht. In jeder Runde kann ein Charakter ein Manöver und zwei bis drei kürzere Aktionen vollführen. Schritt 4: Die Endphase – alle Aktionen und Manöver werden gleichzeitig ausgefochten bzw. ausgewürfelt, beginnend mit Verteidigungsaktionen, dann folgen Angriffe, andere Aktionen wie das Ziehen eines neuen Pfeils für die nächste Runde, und schließlich Bewegungsaktionen. Das scheint chaotisch, ist aber effizient. Wenn mehrere Charaktere im Kampf mit einem oder mehreren NSC sind, wird die Spielleitung allerdings wohl immer noch eine gewisse Reihenfolge zum Würfeln festlegen müssen. Ein weiterer Aspekt, der das Kampfsystem kurzweilig hält, ist die Möglichkeit, in Phase 3 ein gewisses narratives Element in den Kampf einzubringen – hier ist es der Spielleitung freigestellt, für besonders intelligente oder rollenspielerisch gute Ideen Boni oder „Favours“ zu verteilen. Dies spornt Spieler an, Szenen schön zu beschreiben, anstatt nur auf die Würfel zu achten.

Erscheinungsbild Die Illustrationen von Matthew Cowdery sind durchgehend beeindruckend und erwecken die Völker, Berufe und Landschaften der Welt von Pythós zum Leben. Neben ausschmückenden Bildern hat der Zeichner auch die Aktions- und Manöverkarten, die Weltkarte und mehrere hilfreiche kleinere Karten zu den Regionen der Spielwelt gestaltet.

Der Textsatz ist gut lesbar und schön gestaltet. Das Inhaltsverzeichnis im PDF ist verlinkt, und darüber hinaus ist ein Register auf der letzten Seite (vor den Danksagungen) vorhanden. Kurz gesagt, die Gestaltung des Regelwerks ist übersichtlich und überaus ästhetisch ansprechend.

Bonus/Downloadcontent Auf der Internetpräsenz der Macher von Pythós gibt es kostenlose Charakterblätter (zum Ausdrucken oder als ausfüllbares Formular) und ein Abenteuermodul als „pay what you want“ zum Download. Außerdem ist hier noch einmal knapp das Kampfsystem erklärt. Das PDF-Paket zum System enthält neben dem Grundregelwerk auch noch eine Weltkarte der Spielwelt sowie hübsch gestaltete Aktions- und Manöverkarten zum Ausdrucken und selbst laminieren.

Fazit Auch wenn die Grundidee einem klassischen High-Fantasy-Muster folgt, sind sowohl das Regelsystem als auch die Spielwelt von Pythós ohne Frage neu und ungewohnt. Für die Spielwelt ist dies positiv: hier sieht man neue Ideen, eine kreativ gestaltete Welt, die nicht von irgendetwas abgekupfert scheint. Diese zu entdecken wird auch erfahrenen Tischrollenspielern Freude bereiten.

Das Regelsystem wirkt hingegen, trotz seiner hohen Ansprüche, beim ersten Lesen ein wenig sperrig. Mit etwas Einlesezeit mag sich dieser Eindruck mildern, aber die vielen ungewohnten Begriffe machen das Verständnis anfangs etwas mühsam. Für Neulinge, an die sich das Regelwerk ja explizit richtet, wird dieser Eindruck womöglich weniger stark sein. Darüber steht die Regel des „common sense“, etwa des „gesunden Menschenverstandes“, die Konflikte abfedern und unsinnige Aktionen sowie Powergaming verhindern soll. Ob das funktioniert, hängt aber davon ab, ob sich die beteiligten Personen darüber einig werden, was „gesunder Menschenverstand“ eigentlich ist.

Ein klares Plus ist das innovative Kampfsystem, das auf Dynamik und Narrativ setzt, um Kämpfe schnell und spannend abzuhandeln. Dabei ist es nicht nur erlaubt, sondern explizit vorgesehen, dass alle Charaktere und NSC gleichzeitig handeln. Klingt chaotisch, scheint aber zu funktionieren. Für Menschen, die kreative Spielwelten und klassisches Abenteuern lieben, ist Pythós, trotz kleiner Kinderkrankheiten, auf jeden Fall sein Geld wert.



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[4 of 5 Stars!]
Pythos Tabletop Roleplaying Game (PDF Edition)
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DSA5 - Krallenspuren (PDF) als Download kaufen
Publisher: Ulisses Spiele
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 09/11/2019 02:46:15

https://www.teilzeithelden.de/2019/08/05/rezension-dsa5-krallenspuren-alles-fuer-die-katz/

Wer bei Krallenspuren und Ulisses Spiele sofort an Katzen denkt, der ist keineswegs auf einer falschen Fährte. Der neue DSA5-Abenteuerband führt Helden in die Ruinen von Zhamorrah, in denen gleich mehrere Zivilisationen gefährliche Geheimnisse zurückgelassen haben. Ob die Helden die Region vor einem grausigen Schicksal bewahren können?

„KOMM, MEINE SCHÖNE KATZE, AN MEIN VERLIEBTES HERZ; ZIEH NUR DIE KRALLEN DEINER TATZE EIN UND LASS MICH TIEF IN DEINE SCHÖNEN AUGEN TAUCHEN, IN DEREN GLANZ METALL SICH UND ACHAT VERMISCHEN.

(Charles Pierre Baudelaire – frz. Schriftsteller und Lyriker)

Krallenspuren? Katzenkrallen? Ist dies etwa das erste Abenteuer von Die Schwarze Katze? Nein, dies ist ein weiteres Abenteuer in der Welt des Schwarzen Auges (DSA5).

Achtung, die Erforschung dieser Rezension fördert Spoiler zutage!

Inhalt Wo die Flüsse Gadang und Mhanadi aufeinandertreffen, liegt das kleine Dörfchen Samra im Schatten der uralten Ruinen von Zhamorrah. Die Bewohner sind abergläubisch und misstrauisch und machen es dem horasischen Forscher Hexander nicht einfach, die Mysterien des geschichtsträchtigen Ortes zu ergründen. Zum Glück gibt es Helden, die ihn tatkräftig unterstützen können. Mit Neugier und Forscherdrang stellen sie sich den Geheimnissen der Stadt unter den wachsamen Augen der allgegenwärtigen Ruinenkatzen.

Eine Katze ist es auch, die aus dem kleinen Dörfchen und seinen misstrauischen Bewohnern einen Schauplatz für ein magisches und mysteriöses Abenteuer macht. Genauer gesagt, das Verschwinden des Katers Arkos. Die Hexe Halimyanis, deren Vertrautentier der Kater ist, ist alles andere als erfreut über sein Verschwinden und macht die Dorfgemeinschaft dafür verantwortlich. Schon bald sind die Fronten verhärtet und die Eskalation ist nur noch einen Hexenfluch entfernt.

Kapitel 1 – Katzenhafte Neugier Egal, ob die Helden auf eigene Faust nach Samra kommen, oder in Begleitung des Geweihten und Geschichtsforschers Hexander Ponziani von Kuslik hergereist sind, sie werden Zeuge der eskalierenden Situation in Samra. Der stringente Verlauf des Abenteuers stellt Spieler und Helden gleichermaßen vor die Herausforderung, sich mittels sozialer Interaktion deeskalierend einzumischen.

Dafür bietet das Abenteuer eine Vielzahl an Nichtspielercharakteren, welche mal mehr und mal weniger von Flüchen der hiesigen Hexe geplagt werden. Spielergruppen, die soziale Interaktionen nur auswürfeln, kommen hier eventuell an Ihre Grenzen, das Ausspielen der sozialen Konflikte hingegen kann sich als abendfüllend oder gar rahmensprengend erweisen.

Je nach Vorbereitung durch die Spielleitung und Willen, auch aus dem Rahmen des linear strukturierten Abenteuers auszubrechen, ergeben sich viele Möglichkeiten für Nebenschauplätze und eigene Handlungsideen. Die Machtübernahme des Sultans Hasrabal in dieser Region wird beispielsweise nur angeschnitten, kann aber durchaus eine Rolle spielen, wenn man in Konflikt mit seinem eingesetzten Verwalter und dessen Söldnern gerät.

Da der Umgang mit den sozialen Konflikten den Bärenanteil des Abenteuers ausmacht, bringt er eine gewisse Komplexität mit sich, welche für unerfahrene Spielleiter möglicherweise nicht gleich erkennbar ist. Die Komplexitätskennzeichnung des Abenteuers „Meister: mittel“ ist daher etwas irreführend. Zwar stehen der Spielleitung viele Hilfsmittel, Vorlesetexte und Informationen zur Verfügung, aber es bedarf einiger Vorbereitung, die komplexen Verhältnisse der Dorfbewohner zueinander in ein atmosphärisches Spieltischerlebnis zu verwandeln. Eine Auseinandersetzung mit dem Thema soziale Konflikte im Rollenspiel ist Grundvoraussetzung. Siehe auch: Würfeln oder Sprechen? – Einsatz sozialer Fertigkeiten im Spiel.

Kapitel 2 – Krallenspuren Die geradlinige Struktur des Abenteuers bringt die Helden unwiderruflich auf die Fährte des verschwundenen Katers. Dabei ist das Abenteuer derart konstruiert, dass sich an den Nebenschauplätzen stets weiter Ereignisse auftun, welche die Helden erst entdecken, wenn sie an den jeweiligen Schauplatz zurückkehren.

Hält sich die Spielleitung an den vorgegebenen Rahmen des Abenteuerbandes, so entzieht man den Spielern leider einen Großteil der Handlungsfreiheit. Es ist ein wenig wie in einem Point-and-Click-Adventure, in welchem man zwischen zwei Handlungsorten hin- und herspringt. Oh, ich habe ein Déjà-vu. Waren wir hier nicht schon einmal?

Ja, aber jetzt hat sich was verändert. Stück für Stück wird das Rätsel gelüftet, und der Alptraum wird wahr. Irgendetwas geht in den Ruinen von Zhamorrah vor sich. Gut, dass Historiker Hexander dabei ist, er kann bei der Entzifferung wichtiger Hinweise helfen und auch sonst als rettende Kavallerie auftreten.

Letztlich ist es weniger den Helden als dem geplanten Spielverlauf zu verdanken, dass die Helden mit den dunklen magischen Machenschaften des Antagonisten konfrontiert werden. Hierzu müssen sie allerdings zunächst einen Dungeon unter den Ruinen von Zhamorrah überleben.

Kapitel 3 – Unter Zhamorrah

Der finale Dungeon ist nicht nur eine gelungene Abwechslung zum eher sozialfertigkeitsgeprägten Einstieg und dem step-by-step- oder eher quest-by-quest-funktionierenden Abenteuerverlauf. Die uralten Räumlichkeiten der einstigen Magiermogule beherbergen nicht nur unvorstellbare Schätze, sondern ebensolche Schrecken. Die Beschreibungen sind detailliert und geben dem Spielleiter die Möglichkeit, eine gelungene Atmosphäre zu schaffen.

Neben Indiana-Jones-Hobby-Archäologen kommen auch Religionsforscher und kampferprobte Recken auf ihre Kosten. Die Überreste aus der Zeit der Magiermogule warten nicht nur mit Relikten einer Reihe uralter Gottheiten auf, sondern auch mit zahlreichen, tödlichen Fallen und Gefahren. Siehe hierzu auch: Was ewig liegt – Archäologie und Mythologie im Rollenspiel.

Besonders der große Showdown verlangt selbst kampferfahrenen Helden alles ab. Neben Wächtergolems gilt es, sich einem leibhaftigen Dämon zu stellen. Déjà-vu! Hatten wir das nicht gerade in einem anderen Abenteuer? Eine Hexe, die sich gegen die Feindseligkeit eines Dorfes erwehren muss, und ein mächtiger Dämon aus uralten Zeiten als Endgegner? Irgendetwas ist hier faul!

Unabhängig vom Gefühl des Schonerlebten lässt sich mit den Beschreibungen des Dungeon, den Zutaten Dämonen und Magiermogule, sowie den geschichtlichen Hintergründen, ein spannendes Finale erleben. Wenn es der Spielleiter versteht, die uralte Magie des Ortes gut zu präsentieren, sind Nervenkitzel und Bangen um der Helden Schicksal bis zur letzten Minute garantiert. Siehe hierzu auch: It‘s a kind of magic – Die Darstellung von Magie im Rollenspiel.

Anhang Der Anhang des Buches ist verhältnismäßig klein gehalten, da alle wichtigen Personen bereits innerhalb der Kapitel beschrieben wurden. Das Augenmerk wurde hier auf die Regeln zum Umgang mit Dämonen gelegt und auf die Beschreibung des dämonischen Wirkens. Sicherlich ist dies auch ein willkommener Ausblick auf das Aventurische Pandämonium.

Erscheinungsbild Neben einem hervorragend gelungenen Cover von Nathaniel Park, welches die Verfolgung einer Katze durch die Ruinen von Zhamorrah darstellt, sind es vor allem die Charakterdarstellungen, die ins Auge stechen. Egal ob Stadthalter Habib ben Harun oder Söldner Jedrech, fast alle wichtigen Charaktere wurden eindrucksvoll und treffend abgebildet. Daneben sind vor allem viele Bilder von Katzen im Abenteuerband zu finden, welche bereits durch den kürzlich erschienen Regelband Aventurische Tiergefährten Bekanntheit erlangten (wir berichteten!).

An Aufbau und Lesbarkeit lässt sich nichts bemängeln, wenngleich es ungewohnt ist, dass Antagonisten und NSCs nicht separat im Anhang aufgeführt werden. Positiv-ungewohnt wohl bemerkt, da es viel unnötiges Blättern erspart.

Abbildungen des Städtchens Samra und der unterirdischen Anlagen in Zhamorrah, auf den Innenseiten des Buchumschlages, runden den Abenteuerband ab.

Bonus/Downloadcontent Es ist kein Bonus- oder Downloadcontent vorhanden.

Fazit Das Werk Krallenspuren ist ein sehr lineares Abenteuer, welches sich durchaus als Mysterienabenteuer bezeichnen darf. Neben komplexen sozialen Interaktionen, die gut vorbereitet sein müssen, sorgen ein Dungeon und finale Kampfelemente für ein ausgewogenes und durchdachtes Konzept. Jede Art von Held kommt hier irgendwann in den Genuss, seine Fähigkeiten präsentieren zu dürfen. Wenngleich der Plot sehr ähnlich wirkt wie der aus Fauler Frühling, wurde hier besser darauf geachtet, ein glaubhaftes Setting für die vorherrschende Situation zu finden.

Die Nichtspielercharaktere und ihre Hintergrundgeschichten, vom einfachen Stadtbewohner bis zum Antagonisten, sind logisch aufgebaut. Mit etwas Spielleiter-Engagement bieten sie noch viel Potenzial für eigene Abenteuerideen und Nebenschauplätze. Leider wird durch das starre Korsett der linearen Struktur auch einiges an Potenzial und Handlungsfreiheit verschenkt. Nichtsdestotrotz kauft man mit Krallenspuren keinesfalls die Katze im Sack. Wer also noch auf DSK wartet, kann mit den Ruinenkatzen aus Zhamorrah sinnvoll die Zeit überbrücken.



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[4 of 5 Stars!]
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Shadowrun 6 - Battle Royale
Publisher: Pegasus Press
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 09/09/2019 09:23:10

https://www.teilzeithelden.de/2019/08/26/spieltest-shadowrun-6-battle-royale-zwischen-freiheitskampf-und-soyballs/

Battle Royale ist Teil des Starterpakets.

Sechste Welt, sechste Edition: Das 30-jährige Jubiläum von Shadowrun katapultiert Runner und die, die es werden wollen, direkt ins Jahr 2080. Im Schatten globaler Megakonzerne werden mit Magie, Chrom und Datenbuchse die schmutzigen Kapitel der Weltgeschichte geschrieben. Einen Vorgeschmack auf das, was kommt, bietet das Einstiegsabenteuer Battle Royale.

Im Herbst 2019 erscheint hierzulande das Grundregelwerk zu Shadowrun 6. Spätestens mit Veröffentlichung des Starterpakets von Pegasus Spiele im Juli ist die Vorfreude spielerseitig geschürt. Das mitgelieferte Einstiegsabenteuer dient als erster Spieltest zu Shadowrun 6 – mehr als Grund genug, einen genaueren Blick darauf zu werfen.

Die Spielwelt & Regeln und Charaktererschaffung

Der Schnellstarter von Shadowrun 6 stellt eine abgespeckte Version der eigentlichen Regeln dar, die erst mit Erscheinen des Grundregelwerks hierzulande im Herbst im Ganzen erfasst werden können. Das Vorhaben von Catalyst Game Labs, den Einstieg in das Regelsystem zu erleichtern, ohne auf Spieltiefe verzichten zu müssen – so im Mai 2019 auf der offiziellen Website des Studios angekündigt –, scheint jedoch auf den ersten Blick gelungen zu sein. Die von Megakonzernen dominierte, dystopische Welt von Genrehybrid Shadowrun soll damit auch Spielern offen stehen, die (zu) komplexe Regelsysteme ablehnen.

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Die auf insgesamt 18 Stück reduzierten Aktionsfertigkeiten sowie ein schlankes Regelkonzept für Magie- und Matrixanwendungen erleichtern auch für Shadowrun-Neulinge das Verstehen. Hinzu kommt eine veränderte Handhabe der Initiative. Damit unmittelbar verknüpft ist die Anzahl der Haupt- und Nebenhandlungen, die ein Charakter innerhalb einer Kampfrunde vornehmen kann.

Des Weiteren werden sogenannte Angriffs- und Verteidigungswerte als Indikator für den Erfolg der jeweiligen Handlung verwendet. Mithilfe dieser Werte bzw. ihrer Relation zueinander können sogenannte Edge-Token gewonnen und in Edge-Boosts investiert werden. So können einzelne Feinde, aber auch Schergengruppen, die mehrere Gegner zusammenfassen, besiegt werden.

Ob diese Regeländerungen, die bereits im oberflächlichen Vergleich mit Shadowrun 5 identifizierbar sind, praxistauglich sind, zeigt der  Spieltest zu Shadowrun 6.

Spielbericht Im Schnellstarter sind Kurzdossiers der vorgefertigten Charaktere enthalten.

Dank vorgefertigter Charakterdossiers entfällt eine Charaktererschaffung. Für das Spielen des Einstiegabenteuers ist demnach vor allem auf Spielerseite wenig vorab zu leisten. Die angebotenen vier Charaktere sind unterschiedlicher Natur und vermitteln eine Idee davon, wie vielfältig ein Team von Shadowrunnern aussehen kann. Die Fähigkeiten sind aufeinander abgestimmt; Redundanz oder fehlende, jedoch benötigte, Skills sind nicht gegeben.

Die Testrunde fand am Freitag, den 09.08.2019, online statt. Es wurden Discord und Roll20 als Plattformen zum gemeinsamen Spielen genutzt. Neben der Autorin, die die Spielleitung übernommen hatte, waren vier Spieler aus dem Teilzeithelden-Team – Felix, Johannes, Marc, Norbert – beteiligt. Ein herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle an die freiwilligen Tester!

Die Handlung

In diesem Lagerkomplex kommt es zum Showdown.

Beim abendlichen Einkauf im Stuffer Shack werden die Runner von Motorengeräuschen und Gejohle von der Straße gestört. Mehrere Gangs – mithin die Spikes, die Rusted Stilettos, die Ragers und die Ancients – haben eine Luxuslimousine vom Typ Mitsubishi Nightsky eingekesselt und sind gewillt, die hochrangige Insassin an sich zu bringen. Bei dieser handelt es sich um niemand Geringeres als eine Gesandte der UCAS, namentlich Erika Hoffmann, die direkt aus Washington D.C. kommt.

Nach kurzer Kontaktaufnahme mit Hoffmann folgen die Runner der Limousine und den Gangs in einen nahegelegenen Lagerkomplex. Hier kommt es zu kreativen Ablenkungen und gewalttätigen Auseinandersetzungen. Final kann Hoffmann befreit werden.

Die Regeln und die Umsetzung

Vor allem hinsichtlich der (politischen) Hintergründe ist Battle Royale für Kenner von Shadowrun interessant. In Kombination mit einer dynamischen Handlung, die die Charaktere direkt ins Geschehen stürzt, entsteht eine spannende Plotidee. Für Laien jedoch ist Battle Royale kein geeignetes Abenteuer – es bricht mit gängigen Shadowrun-Klischees. Anstelle eines Gesprächs mit einem Auftraggeber, der nachfolgenden Planung und der tatsächlichen Durchführung steht hier ein spontaner Run.

Mithilfe sogenannter Edge-Boosts können Fertigkeitsproben verbessert werden.

Neben der offenen Frage nach der Sinnhaftigkeit von Battle Royale als Einstiegsabenteuer bestehen Schwierigkeiten im Hinblick auf die Regelgrundlagen:

Während die grundsätzliche Idee, Edge vielfältiger einzusetzen, positiv anzuerkennen ist, hakt die tatsächliche Umsetzung. Die Generierung von zusätzlichem Edge mithilfe der Angriffs- und Verteidigungswerte bzw. aufgrund der Umweltbedingungen eröffnet zwar viele Möglichkeiten, erscheint oft jedoch willkürlich. Hinzu kommt, dass durch beispielsweise erfolgreiche Angriffe generiertes Edge für eine komplett andere Aktion verwendet werden kann. Spielerseitig entstand im Rahmen des Spieltests zu Shadowrun 6 mehrfach Irritation.

Das schnelle Verstehen, das etwa bei einem Spieltest auf einer Convention nötig wird, ist auch bei weiteren Regelaspekten schwierig: So bei den Schergengruppen und bei der Vielzahl der Proben, die zur Durchführung einer einzelnen Kampfhandlung nötig wird.

Spielbarkeit aus Spielleitersicht – Ein Bericht von Yola

Primär spiele ich lieber, als dass ich leite – dennoch finde ich ab und an Freude daran, die Position am anderen Ende des Spieltisches zu besetzen. Ein vorgefertigtes Abenteuer habe ich seit über zehn Jahren nicht mehr geleitet. Damals habe ich meine Spieler mit dem (für das Gruppenspiel angepassten) Soloabenteuer Ewig ist nur Satinav (DSA 3) vom täglichen aventurischen Murmeltier grüßen lassen. Dementsprechend verhalten begegnete ich dem Einstiegsabenteuer aus dem Starterpaket. Positiv fiel mir beim Lesen bzw. Vorbereiten auf, dass Battle Royale sich an erfahrene wie neuere SL gleichermaßen wendet und viele Praxistipps mit sich bringt. Das Abenteuer bietet eine Vielzahl von Hintergrundinformationen (z. B. ein mehrseitiges Dossier über Seattle) an, die der Spielleitung viele Freiheiten an die Hand geben, Modifikationen vorzunehmen. Aufgrund humoristischer Einschübe war das Lesen alles andere als langweilig.

Der Spieltest von Shadowrun 6 bringt auf Seiten des SL viel Arbeit mit sich. Ein spontanes Leiten ist meiner Meinung nach ohne Kenntnisse früherer Shadowrun-Editionen nicht möglich. Das Erstellen von Schergengruppen beispielsweise bedarf Vorbereitung. Auch die Anpassung während des Spiels – u. a. dann, wenn die Schergengruppe sich verkleinert – ist zeitintensiv. Das Nachschlagen von Werten, Beschreibungen und Regeln jedoch hat, wenn überhaupt, nur zu kleineren Verzögerungen geführt. Ich hätte es sehr begrüßt, Illustrationen zu den NSC innerhalb des Abenteuers zur Verfügung stehen zu haben – leider sind diese nicht Teil von Battle Royale.

Unvermittelte Action – Battle Royale zieht die Spieler mitten ins Geschehen.

Ist die Gruppe erst einmal mitten im Geschehen, ist der Fortgang des Runs nur schwer zu stoppen. Allerdings kann es einiges an Kreativität erfordern, einen gelungenen Einstieg zu schaffen. Meine Spieler waren versucht, hinter den schützenden Mauern des Stuffer Shacks abzuwarten – im Angesicht des Gangkriegs vor dessen Tür kein schlechter Gedanke. Doch Geld ist bekanntlich immer ein gutes Argument.

Spielbarkeit aus Spielersicht – Ein Bericht von Norbert

Was ich von einem Schnellstarter (bzw. einer „Beginner Box“, wie das Material im Englischen heißt) erwarte, ist eine kurze und prägnante Darstellung dessen, was das System und die Spielwelt mir bietet, wenn ich mir das Grundregelwerk anschaffe.

Shadowrun in einen Schnellstarter zu stecken, ist wegen der Komplexität des Systems und der Spielwelt eigentlich unmöglich. Wenn man es doch versucht, müssen Abstriche gemacht werden. In diesem Fall beginnt das damit, dass die Charaktererstellung ausgenommen und durch vorgefertigte Charakterdossiers ersetzt werden – grundsätzlich eine gute und sinnvolle Sache. Zusätzlich hat man versucht, sich auf die Basisregeln zu beschränken. Das hat meiner Meinung nach nicht funktioniert, denn man kann gar nicht so richtig festlegen, wo die Grenze zwischen Minimalregeln und vernünftiger Spielbarkeit liegt.

Die Spielwelt wird für den Spieler nur unzureichend vermittelt.

Das Ergebnis ist, dass viele Fragen unbeantwortet bleiben: Wie genau funktionieren vergleichende Sozialproben? Wird der temporäre Edgewert oder der des Charakters zum Würfelpool addiert, wenn man diese 4-Edge-Boost-Option wählt? Warum wird Antimagie erklärt, obwohl es keine magisch begabten Gegner gibt? Et cetera. Wenn ich die Spielwelt und vorherigen Editionen von Shadowrun nicht ausführlich kennen würde, hätte ich sicherlich so manches Problem gehabt. Das ist also die erste Sache, an der der Schnellstarter für mich scheitert: Welt und Regeln in angemessener Länge sinnvoll vermitteln und das beigelegte Abenteuer problemlos spielbar machen.

Liest man die Regeln, wirkt es so, als wollte man im Gegensatz zur Vorgängeredition alles etwas einfacher machen, also entschlacken. Fertigkeiten zusammenzufassen ist dabei eine der besseren Ideen. Ebenso einfachere Matrixregeln. Ich habe die hermetische Orkmagierin Frostburn gespielt und mag die einfache Anpassbarkeit der Kampfzauber – man kann den Schaden oder Radius steigern, muss dafür aber höheren Entzug in Kauf nehmen.

Das grundsätzliche Würfelprinzip ist einfach zu verstehen: Fertigkeits- und Attributswert zusammen ergeben den Würfelpool in W6. Entweder würfelt man gegen einen Schwellenwert oder gegeneinander in einer vergleichenden Probe. Bei Angriffen vergleicht man den Angriffswert und den Verteidigungswert – ist einer der Beteiligten mit vier oder mehr im Vorteil, bekommt der Charakter ein Bonus-Edge.

Eine Vielzahl von Faktoren wirkt sich auf den Angriffs- und Verteidigungswert aus.

Das erinnert ein wenig an das Vor- und Nachteilkonzept von D&D 5. Dass man danach noch rumdiskutieren soll, welche Ausrüstung einem einen weiteren Edgepunkt gibt, ist lediglich nervig. Außerdem verändern sich Angriffs- und Verteidigungswert permanent, wenn man zum Beispiel Eisschaden erleidet, wenn man eine Salve schießt oder wenn man in Deckung ist.

Zuerst wirkt das System also einfacher, dann aber kommen viele kleine, komplizierte Aspekte hinzu, und wenn man ehrlich ist, passt das alles nicht so richtig zu Shadowrun. Es geht doch um Zahlen und Werte, nicht um vage Diskussionen, ob man Edge bekommt, weil man Cyberaugen oder Ähnliches hat.

Einem Neuling würde ich vom Schnellstarter abraten. Das Abenteuer ist nicht repräsentativ für das Spiel, sondern nur Action ohne Antrieb. Erfahrene Spieler würden den „Run“ gar nicht erst angehen, denn er bedeutet unnötigen Ärger ohne viel Gewinn. Erfahrene Spieler werden sich mit vielen Fragen konfrontiert sehen, die ihnen der Schnellstarter nicht beantworten kann. Ich bin ein wenig enttäuscht und hoffe, dass das zur SPIEL 2019 erscheinende Grundregelwerk den schlechten Eindruck der Änderungen am Spielsystem wieder aufheben kann.

Fazit

Eine entführte Luxuslimousine, eine UCAS-Gesandte auf Abwegen und vier konkurrierende Straßengangs: Battle Royale ist ein dynamisches Abenteuer, das einen Vorgeschmack auf die sechste Edition von Shadowrun 6 gibt. Es bewegt sich fernab von system- und spielweltimmanenten Klischees, was für Kenner interessant, für Neulinge allerdings irreführend sein dürfte.

Des Weiteren ist die Masse an (teils vagen) Informationen den Run, die Hintergründe und die Regeln betreffend selbst für erfahrene Chummer schwer zu erfassen. Insgesamt ist mit dem Schnellstarter ein Konstrukt entstanden, welches aufgrund des Umfangs und der Interpretationsspielräume die Grenzen eines „Kennenlernabenteuers“ sprengt.

Battle Royale ist zugute zu halten, dass es allgemeine SL-Tipps – auch für Neulinge – anbietet und zudem eine humoristische Ader aufweist. Es ist darüber hinaus nicht ausschließlich ein Spieltest zu Shadowrun 6, sondern bietet seinem Leser Informationen zur Spielwelt an. Da das gesamte Starterpaket kostenfrei zu erhalten ist, ist zumindest die Lektüre von Battle Royale kein Minusgeschäft, sondern eines, das mit Vorbereitung, Modifikationen und vielleicht einigen klärenden Grundlagen aus dem Shadowrun 6-Grundregelwerk durchaus zu genießen ist.

Artikelbilder: © Catalyst Game Labs, Bearbeitung: Melanie Maria Mazur



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[3 of 5 Stars!]
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Wrath & Glory: Soundtrack
Publisher: Cubicle 7 Entertainment Ltd.
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 09/02/2019 04:53:34

https://www.teilzeithelden.de/2019/08/09/angehoert-wrath-glory-soundtrack-duempeln-mit-dem-imperator/

Viele neue oder erneuerte Rollenspielsysteme erscheinen heutzutage mit einem bunten Strauß an Begleitmaterial. Beliebt sind da auch passende Soundtracks. Einer der jüngsten in dieser Reihe ist jener zu Wrath & Glory, der noch unter der Ägide von Ulisses erschienen ist. Wir haben unseren Noise Marine darauf angesetzt!

Lange mussten Fans das bolterlastigen Rollenspiels warten, als dann endlich Ende letzten Jahres mit Wrath & Glory die grausamen Weiten des 42. Jahrtausends erkundet werden durften. Passend dazu erschien auch ein Soundtrack von Joe Griffin. Griffin lebt in Chicago und hat sich vor allem als Komponist für Kurzfilme und Theateraufführungen einen Namen gemacht. Bei Wrath & Glory verantwortet er das erste Mal ein Projekt im Warhammer-Universum und ist für einen kompletten Rollenspiel-Soundtrack verantwortlich.

Der Soundtrack Preparations (2:47)

Der Soundtrack beginnt sehr interessant und eröffnet mit militärisch anmutenden Trommeln und Klängen, die einen gedanklich tatsächlich in eine Vorbereitungsszenerie entführen. Man spürt die latente Anspannung für den Einsatz. Leider verliert sich dieses Gefühl sehr schnell in einer leicht drögen Melodie.

Last Day of Peace (5:26)

Ein vom Synthesizer erzeugter Bass eröffnet diesen Track und lässt an unendliche Dunkelheit im Weltraum denken. Doch wird dieser viel zu lange gehalten und erst nach einer Minute folgt eine leichte melodische Veränderung. Bei der soll es dann auch für die restlichen 4 Minuten des Stücks bleiben. Damit trägt dieser Titel kaum zu einer Stimmung merklich bei.

Aeldari Invasion (3:27)

Der Titel könnte die Erwartungen hochschrauben, wären die ersten Titel nicht so schwach. Tatsächlich startet die Invasion enorm kraftvoll. Mit einem Marschrhythmus unterlegt und durch tiefe Posaunen begleitet, kommt durchaus Kriegsstimmung auf. Es fehlen allerdings musikalisch erhaben passende Einschübe, die auf die Aeldari referenzieren. Auch ist reine Synthesizer-Musik hier nicht geeignet, Epik zu erzeugen. Gegen Ende versandet auch dieser Titel in Belanglosigkeit, gewinnt aber in den letzten Sekunden noch mal an Energie, die man sich früher gewünscht hätte.

Appeal to the Machine Spirits (3:57)

Zu den Maschinengeistern passt der reine Einsatz elektronischer Klänge deutlich besser. Es bleibt jedoch ein Hintergrundgeplätscher, das aber durchaus versteht, eine düstere Stimmung zu erzeugen und sicher für viele spannende Szenen geeignet seien dürfte. In manchen Passagen fühlt man sich fast schon an gute alte Echtzeitstrategieklassiker wie Command & Conquer erinnert.

Aeldari Stratagem (3:11)

Diesmal wird das Aeldari-Thema besser getroffen und Griffin greift zu Beginn zu exotisch anmutenden Klängen. Mit ein wenig Abwechslung im Einsatz der Synthi-Klänge und einem bedrohlichen Trommeln, gepaart mit marschähnlichen Sequenzen, bietet auch dieser Titel ein paar schöne Ansätze für Szenen.

The Void Looks Back (3:31)

Die Leere schaut in Warhammer nicht nur sprichwörtlich zurück, sondern kann ganze Besatzungen oder Planetenbewohner in den Wahnsinn treiben. Griffin fängt dieses Phänomen gut mit einer Kakophonie klagender, nicht greifbarer Stimmen ein. Dies zieht sich allerdings mit der Zeit etwas monoton hin und wir erst in der letzten Minute durch ein Ansteigen des stimmlichen Wahnsinns zu einem grauenhaften, im positiven Sinne, Höhepunkt gesteigert.

Cost of Victory (3:03)

Der Preis des Sieges ist in diesem Universum selten gering. Joe Griffin hat hier ein wirklich gutes Gespür, dies zu vermitteln. Vor dem inneren Auge könnte man ein blutiges Schlachtfeld genauso sehen, wie eine Prozession zu Ehren der Toten. Allerdings hätte dieser Titel wirklich gut echte Instrumente vertragen, um sich zu entfalten. So wirkt er am Ende lieblos und eher wie ein Demostück.

Aftermath of Defeat (3:30)

Mit diesem Titel kehrt Griffin wieder zu seinem Schema der ersten Titel zurück. Es plätschert ein wenig vor sich hin und ab und an verirren sich Pianoklänge in dieses Stück. Diese fangen dafür sehr gut die Stimmung nach einem Kampf mit hohem Preis ein. Leider gibt es auch hier kaum Variation, was diesen Titel wieder fad werden lässt. Sehr schade, weil er viele Emotionen transportieren könnte.

Waaagh! (3:34)

Man könnte meinen, der Komponist ist mit diesem Track aus seinem Schlaf erwacht. Kraftvoll pulsierend startet der Ork-Waaagh, begleitet von Rufen der grünen Meute. Spieler*innen von StarCraft werden stellenweise schöne Assoziationen zu den Terraner-Soundtracks haben. In der Mitte des Titels fühlt man sich dann wieder bei Command & Conquer angekommen. Die Inspiration ist hier eindeutig und wurde handwerklich gut umgesetzt. Der mit Abstand beste und lebendigste Titel des Albums.

The Hunt (3:13)

Das vorherige Stück machte große Hoffnungen und der Titel verspricht viel Spannung und Action. Die ersten 30 Sekunden überzeugen und versprechen eine spannungsgeladene Jagd, bei der unklar scheint, wer Jäger und Beute ist, verliert sich dann aber wieder in Eintönigkeit. In der Mitte des Titels scheint Griffin die Kurve zu kriegen, und schafft Spannung aufzubauen, die er versucht durch Wiederholung zu halten, überstrapaziert dies jedoch, da eine musikalische Entwicklung fehlt.

Righteous Fury (4:30)

Der gerechte Zorn ist zweifelsohne ein Leitmotiv des Warhammer-Universums. So gehört dieser Titel zu den wenig dynamischen Stücken des Albums und fängt dieses Thema gut ein. Treibende Trommeln und tiefe Melodien schreien danach, mit dem Bolter in die Feinde zu stürzen.

Preis/Leistung Für 19,95 EUR erhält man einen gepressten Silberling mit schönem Artwork und Booklet. Die Beschreibungen lesen sich jedoch deutlich epischer, als das musikalische Erlebnis tatsächlich ist. Mit 11 Titeln und grade mal 41 Minuten Spielzeit bekommt man wenig geboten, selbst wenn man sich für die digitale Variante entscheidet, die bei rund 10 EUR liegt. Da bieten Erdenstern und Co. deutlich mehr für das Geld.

Fazit Wer Warhammer kauft, hat eine bestimmte Erwartungshaltung: Grim-Dark (Space-) Gothic. Eine grausame, unbarmherzige Welt voller Epik und Superlativen. Das neue Rollenspielsystem, inzwischen von Cubicle 7 produziert, fängt dies ausgesprochen gut ein. Die Erwartungen an einen Soundtrack zu Wrath & Glory sind natürlich dementsprechend passend. Griffin gelingt es zwar einen Soundtrack zu schaffen, der sich nicht zu sehr in den Mittelpunkt drängt, doch leider fehlt der richtige Biss und das Gefühl von Warhammer. Das dürfte vor allem zwei Gründe haben. Zum einen hat sich Joe Griffin für einen sehr zurückhaltenden Soundtrack entschieden, der keine Geschichte erzählt. Das will nicht richtig passen und er verfehlt den richtigen Grad an Zurückhaltung, um dennoch eine Geschichte zu unterstützen. Zum anderen wirkt sowohl der Stil als auch der nahezu ausschließliche Einsatz elektronischer Synthie-Klänge sehr retro und erinnert an Computerspiele der späten 90er und frühen 2000er Jahre. Warhammer schreit aber geradezu nach einer orchestralen Aufbereitung mit elektronischen Einschlägen, die mit entsprechenden Soundboards machbar wären. Für das richtige musikalische Gefühl sollte man sicher daher lieber bei den üblichen Verdächtigen bedienen. Wem ein bisschen Synthie-Gedümpel mit etwas Science-Fiction Anlehnungen reicht, kann zugreifen, wobei Preis/Leistung hier absolut nicht stimmen.



Rating:
[3 of 5 Stars!]
Wrath & Glory: Soundtrack
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Publisher: Ulisses Spiele
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 09/02/2019 04:51:41

https://www.teilzeithelden.de/2019/06/29/rezension-dsa5-fauler-fruehling-alles-nur-fauler-zauber/

Das auf dem Kaiser Raul Konvent 2018 in einem Workshop entstandene Abenteuer Fauler Frühling hat nun auch in die Regale des Handels gefunden. Ob sich hinter dem spannenden Namen eine ebenso spannende Geschichte verbirgt oder doch nur fauler Zauber, hat Redakteur Torben für euch herausgefunden.

„Etwas ist faul im Staate Dänemarks.“ (1. AUFZUG, 4. SZENE, MARCELLUS IN WILLIAM SHAKESPEARES‘ HAMLET)

Nicht im Staate Dänemarks, aber im Reich der Thorwaler ist etwas faul – einer Region in Das Schwarze Auge, die kulturell stark an Skandinavien erinnert. In die hinterste Provinz, in die Nähe des Orklandes, verschlägt es die Helden. Hier müssen Sie das Leiden eines kleinen Dorfes beenden, indem sie es aus dem Griff eines alten Schreckens befreien. Doch das ist einfacher gesagt als getan, wenn man es mit einer kaum greifbaren Bedrohung zu tun hat.

Helden sind aber bekanntlich die beste Medizin, wenn es um dunkle Magie und alte Relikte geht. Die Auswahl eines passenden Helden fällt hier allerdings nicht leicht und ist die erste Hürde auf einem holprigen Weg durch die kleine, thorwalsche Siedlung Vedgard am Rande des Olochtai-Gebirges.

Achtung, diese Rezension enthält Spuren von Spoilern!

Bei Risiken und Nebenwirkungen erschlagen Sie einen Ork oder zwei.

Inhalt Das Abenteuer Fauler Frühling ist grob in fünf Kapitel unterteilt. In der Einleitung wird die Geschichte der Region beschrieben und wie erwartet auf den möglichen Verlauf des Abenteuers hingewiesen.

Der Plot wirkt einfach gestrickt und enthält neben den typischen Elementen des Rollenspiels keine abnormen Besonderheiten. Von Vorteil ist, dass auf Kämpfe größtenteils verzichtet werden kann. Somit lässt sich der Verlauf aber auch schlicht als immer wiederkehrende Verkettung von Suche & Finde-Aufgaben darstellen. Der Region geht es schlecht – suche und finde den Ort von dem es ausgeht. Dem Dorf geht es schlecht – suche und finde den Schuldigen. Ein Ritual kann helfen, den Schrecken zu beenden – suche und finde die benötigten Zutaten.

Kapitel 1 – Die Zeit der Schneeschmelze „Die Zeit der Schneeschmelze“ befasst sich mit dem Einstieg der Helden. Drei Möglichkeiten gibt das Abenteuer vor, aber keine wirkt zu 100 Prozent zufriedenstellend. Lediglich die Idee sich einem Skalden (thorwalscher Barde) anzuschließen, welcher unbedingt eine Saga über angehende Helden singen will, wirkt nicht allzu gestellt. Die kleinen Strophen am Anfang eines jeden Abschnittes, welche aus der Feder eben jenes Barden stammen, sollen zudem die Stimmung am Spieltisch aufheitern. Zumindest das schlechte Verständnis für Versmaß und Reime hat unseren Spieltisch sehr erheitert.

Egal welchen Einstieg die Helden auch wählen, letztlich führt ihr Weg sie in das Hinterland und in das Dorf Vedgard. Schon auf dem Weg dorthin erhalten sie die ersten Anzeichen für den Fluch, der über dem Dorf liegt. Die Menschen sind krank und die Ernten fallen aus. Explizit die Rübenernte findet Erwähnung, was allerdings verwunderlich ist. Rüben werden, auch in Aventurien (siehe beispielsweise Handelsherr und Kiepenkerl) erst im Herbst geerntet. Ein derisches Pendant zur irdischen Mai-Rübe wäre noch vorstellbar, aber nicht, wenn gerade die Schneeschmelze eingesetzt hat und der Boden vermutlich noch gefroren ist. Im Abenteuer selbst heißt es, dass „die Kälte immerhin nicht lebensbedrohlich ist“.

Kapitel 2 – Die Suche nach Hilfe Den agrarwissenschaftlichen Fauxpas außer Acht lassend, müssen sich die Helden im zweiten Kapitel auf die Suche nach der Ursache für das Elend in Vedgard machen. Das als „Horror“ bezeichnete Genre watet hier mit einer Maden- und Insektenplage auf und bringt immerhin durch seinen Ekelfaktor eine ganz neue Atmosphäre in das Spiel. Die Feststellung, dass die Bedrohung durch Krankheit und Plage nicht (oder kaum) durch die Helden fassbar ist, ist eine positive Abwechslung. In anderen Abenteuern kann man sich dem personifizierten Bösen meist mit der Waffe in der Hand entgegenstellen, hier sind nun die Ideen der Spieler gefragt, dem Unheil zu entrinnen. Nicht zuletzt auch ihrem eigenen, denn die Helden können, je nach Würfelglück und Meisterwillkür, am eigenen Leib erfahren, wie die Krankheit sie schleichend umbringt.

Die Spur der Plage führt – irgendwie haben wir es ja schon gewusst – zu den Hinterlassenschaften der örtlichen Hexe. Doch auch das Auffinden ihres Versteckes bringt nicht den gewünschten Erfolg im ungleichen Kampf gegen Käfer, Wespen und Mücken. Dafür bietet die „Hexenhöhle“ ein Dungeon-Element und damit erneut eine kleine Abwechslung.

Spätestens jetzt wissen die Helden, dass sie es mit einem mächtigen fast unbesiegbaren Dämon zu tun haben. Während die Spielleitung bereits aus der Einleitung die Geschichte des Dämons kennt, können die Spieler und ihre Helden leider nur wenig über die eigentlichen Hintergründe der Geschichte erfahren. Der Dämon wurde von der Hexe in einem Gefäß aufbewahrt, das Gefäß ging zu Bruch, die Hexe starb. Nun ist es an den Helden, das Gefäß wiederherzustellen. Die Notizen der Hexe reichen allerdings nicht aus, ein Orkpriester muss her. Gut, dass hinter dem Gebirgspass das Orkland liegt und ein friedlicher Orkstamm, der sich gerne bereit erklärt zu helfen. Schließlich ist jedwedes Leben in der Region gefährdet. Zu episch? Ja, definitiv.

Kapitel 3 – Die Erneuerung des Gefäßes Und dann muss auch nur noch das Gefäß erneuert und der Dämon in einem Ritual gebannt werden. Schlussklappe – Licht aus. Wer seinen Helden einen (fast) aussichtslosen Kampf bieten will, kann dies natürlich an dieser Stelle tun, aber notwendig ist es nicht. Der Satz „Mit einem Bannmagier wären wir hier in fünf Minuten durchgewesen“ ist in dieser Situation gänzlich nachvollziehbar.

Anhang Im Anhang lassen sich noch ein paar neue Krankheiten finden, welche den Ekelfaktor nach oben treiben können und eine schöne Ergänzung zu den im Aventurischen Almanach aufgeführten Krankheiten sind.

Die „Losen Enden“, welche das Schicksal des thorwalschen Barden und das Prequel des Gefäßes beschreiben, sind eine schöne Dreingabe, um aus dem Abenteuer noch ein bisschen mehr zu machen, als es bisher ist.

Erscheinungsbild Das Layout ist, wie mittlerweile gewohnt, sehr gut und kann besonders durch das ausdrucksstarke Coverbild von Konrad Krogull punkten. Wertekästen und hervorgehobene Textstellen helfen, einen schnellen Überblick über die Spielsituation zu gewinnen, wenngleich einige Textpassagen deplatziert wirken. Informationen, welche erst in viel späteren Abschnitten des Abenteuers benötigt werden, haben sich an einigen Stellen frühzeitig in den Text gemischt. Im Ganzen folgt das Buch aber einem stringenten Aufbau und lässt sich leicht lesen, ähnlich wie schon das Abenteuer Zeichen der Macht, das ebenfalls aus der Feder von Rafael Knop stammt. Die Innenillustrationen sind ebenfalls gut gewählt und bringen die Personen und Landschaften zum Leben. Im genauen Gegensatz dazu stehen leider die Beschreibungen des Dorfes und der darin lebenden Personen.

Bonus/Downloadcontent Es ist kein Bonus- oder Downloadcontent vorhanden.

Fazit Fauler Frühling ist zwar kein fauler Zauber, aber auch kein meisterlich-magisches Werk. Die Helden sind die Medizin für das Unheil einer thorwalschen Binnenlandbedrohung, aber ohne notwendiges Blutvergießen als Nebenwirkung. Die Handlung des Abenteuers folgt einem einfach gestrickten roten Faden, lässt aber den Spielern ihre Freiheiten. Dennoch ist es ein Plot, ohne große Besonderheiten, wie man ihn gefühlt schon 100-mal erlebt hat. Einzig die Hintergrundgeschichte, welche den Spielern vermutlich verborgen bleibt, ist dabei etwas zu episch für die gewählte Region.

Abwechslungsreich ist das Abenteuer dennoch, so kann man neben den typischen Suche & Finde-Aufgaben auch einen Dungeon durchforsten und einen eher untypischen und unerwartet freundlichen Besuch zu einem Orkstamm unternehmen. Wer nicht auf Kämpfe verzichten möchte, kommt dank tollwütiger Tiere auch auf seine Kosten und kann sich einem (fast) unbezwingbaren Endgegner stellen. Für das Hinterland sicherlich eine Saga wert, für den heimischen Spieltisch nur Mittelmaß, aber mit ein wenig Aufwand ausbaufähig.



Rating:
[4 of 5 Stars!]
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[explorers] Core Rulebook - Print Edition
Publisher: notveryprofessional
by Roger L. [Featured Reviewer]
Date Added: 09/02/2019 04:45:16

https://www.teilzeithelden.de/2019/05/27/ersteindruck-explorers-du-bist-entbehrlich-tom-vogt/

Im Universum hat sich die Menschheit über tausende Sternsysteme ausgebreitet. Die Grenzen des Imperiums müssen bewacht und neue Welten erforscht werden. Um die kostbaren Menschenleben zu schützen, wird auf eine Alternative zurückgegriffen: Klone. [explorers] stammt aus dem Hause Not Very Professional Games – ein tolles Sci-Fi-Rollenspiel, oder ist der Name Programm?

Einer der großen Vorteile des Universums ist seine Unbegrenztheit. In die endlosen Weiten können nahezu beliebig Sternsysteme, Planeten, Monde, Raumstationen und ganze Galaxien als Spielwiese platziert werden. [explorers] setzt genau hier an und eröffnet sich ein Spektrum an Möglichkeiten in alle erdenklichen Richtungen. Was hätte das für gesellschaftliche Konsequenzen? Fremde Welten bergen auch bis dato unbekannte Gefahren.

Würde man wirklich Menschenleben für die Erforschung aufs Spiel setzen, wenn es andere Möglichkeiten gäbe? In [explorers] verkörpern die SpielerInnen menschliche Klone, die zwar gebraucht, aber als Untertanen und entbehrlich eingestuft werden. Nicht nur den fremden Welten, sondern auch dem moralischen Dilemma könnte man sich als Spielrunde in [explorers]

Eine Welt ist nicht genug: Das Setting Wir befinden uns im Jahr 376 des Galactic Human Empire. Die Menschheit hat sich über tausende Welten in vielen Sternsystemen ausgebreitet. Armut, Knappheit, Krankheit und sogar tägliche Arbeit gehören zu den Kuriositäten der Vergangenheit. Die Menschen des Imperiums verbringen ihre Zeit in einem fortwährenden Urlaub, ausgefüllt mit Philosophie und Kunst, oder einfach mit Entspannung und Spaß. Die Menschen leben ein gutes Leben – Klone jedoch sind keine Menschen. Obwohl nach menschlichem Vorbild konstruiert, werden sie als Untergebene, gar als Sklaven, angesehen und entsprechend behandelt. Die Erkundung unbekannter, potenziell gefährlicher Welten fällt ihnen ebenso zu wie das Bewachen der Grenzen des Imperiums gegen Aliens.

Die Bevölkerung des Imperiums unterscheidet strikt zwischen Menschen und Klonen. Menschen sind echt, wertvoll und existieren um ihrer selbst willen. Klone hingegen sind Produkte, ersetzbar und sollen nützlich sein. Obwohl Klone auf der Basis von menschlicher Gensaat hergestellt werden, haben sie eine stark reduzierte Lebenserwartung sowie zahlreiche kleinere Veränderungen, um dem angedachten Leben als Klon gerecht zu werden. Infolgedessen bekam Reinheit einen großen Stellenwert, und nur wenige sorgfältig ausgewählte genetische Behandlungen werden für Menschen in der Gesellschaft akzeptiert. Klone werden als Untermenschen angesehen, und einen Mitmenschen als Klon zu betiteln, ist eine schwerwiegende Anschuldigung und/oder Beleidigung.

Die Trennung zwischen Klonen und Menschen ist in vielen Teilen des Imperiums derart nachhaltig, dass es im Grunde genommen zwei Reiche gibt: Ein reines Menschenimperium im Zentrum, und ein Randgebiet darum herum. Viele Menschen in den Kernwelten des Reiches sehen in ihrem ganzen Leben keinen einzigen Klon. Im Randgebiet sind immer die Menschen die Gebieter und Klone die Sklaven.

Im Folgenden wartet die Settingbeschreibung auch mit technischen Aspekten auf und erläutert kurz und knapp verschiedene Technologien wie die Subspace Technology, Anti-Grav Technology und Clone Technology. Auch auf Lebensformen im Universum wird kurz eingegangen. Auf nur wenigen Seiten zeichnet das Setting ein dystopisch anmutendes Bild einer zweigeteilten Gesellschaft. Dabei geht es kaum in die Tiefe oder ins Detail. Es werden beispielsweise keine exemplarischen Kern- oder Randwelten vorgestellt, ebenso wenig, wie der Alltag in der futuristischen Gesellschaft aussieht. Sind es düstere Megacities wie in Blade Runner? Oder elitäre Villen wie in Elysium?

Die dargelegten Inhalte bleiben vom Detail- und Informationsgrad her stellenweise etwas zu sehr an der Oberfläche, und vereinzelt kommen Fragen hinsichtlich der Stimmigkeit auf. Beispielsweise erscheinen Hundert Jahre als genannter Zeitraum für die Besiedlung neuer Welten ohne Überlichtgeschwindigkeitsreise sehr knapp bemessen. Tägliche Arbeit gehört der Vergangenheit an – wird sie dann von Maschinen erledigt? Wie kann eine solche Gesellschaft funktionieren?

Womöglich hat man es sich an dieser Stelle etwas zu einfach gemacht, da nicht vorgesehen ist, im Rahmen des Spiels in die Kernwelten zu gelangen. Aber wie verhält es sich im Randgebiet des Imperiums, der offenbar ein Mischbereich sein soll? Eher unerfahrene SpielleiterInnen werden sich möglicherweise etwas schwertun, den offen gehaltenen Rahmen zu füllen. Etwas konkreter hätte es also schon sein dürfen. Wer jedoch Worldbuilding mag und kann, hat noch reichlich Freiraum für eigene Kreationen.

Roll The Dicepool: die Regeln Gleich zu Beginn des Buches gibt es einen Überblick, was [explorers] sein möchte: kooperativ, modular und erzählend. Gespielt werden sollen einzelne, abgeschlossene Missionen, keine Kampagne, wie es beispielsweise in Dungeons & Dragons üblich ist. Der modulare Missionsablauf ist ein großer Vorteil für Gruppen, die sich unregelmäßig und/oder in unterschiedlicher Besetzung zum Spielen treffen. Material für eine fortlaufende Story möchte das Werk ganz bewusst nicht liefern, aber mit etwas Eigenleistung lassen sich problemlos mehrere Missionen zu einer Gesamtgeschichte verbinden.

Das Würfelsystem benötigt grundsätzlich einen Vorrat gleichartiger Würfel in zwei Farben. Empfohlen wird hier der zehnseitige Würfel. Mit den unterschiedlich farbigen Würfeln werden Würfelpools gebildet, die sowohl Können des Charakters als auch die Schwierigkeit der Probe abbilden. Entweder wird gegeneinander gewürfelt oder sogar alles in einem Würfelpool zusammengefasst. In [explorers] gibt es keinen Schwierigkeitsgrad zu erreichen, sondern es findet eine konkurrierende Probe statt. Das Zusammenstellen eines Würfelpools geht zügig vonstatten, ebenso das Auswerten und Weiterspielen. Bremsende Elemente wie Zuschläge, Tabellen, etc. gibt es nicht. Dezent wirkende Variationen wie einen Dice Pool Modifier oder das Vergeben von Bonuswürfeln ermöglichen es, unterschiedliche Situationen und Gegebenheiten abzubilden.

Dem Thema Power-Gaming werden eineinhalb Seiten gewidmet, und entgegen der gängigen ablehnenden Haltung wird hierzu ein Stück weit dafür geworben, das System gern schamlos auszunutzen. Gemeint sind hierbei im Speziellen die Dice Roll-Over und Bonus-Dice-Regeln. Beide Regeln basieren auf gelungen dargestellten Spielinhalten und können gleichzeitig das Ergebnis einer Probe nach oben katapultieren. In diesem Sinne möchte [explorers] seine SpielerInnen ermutigen, sich zu einem gewissen Grad dem Power-Gaming zu bedienen. Letztendlich soll das erzählerische Spiel gefördert und belohnt werden. Mit diesem Ansatz hebt sich [explorers] unter den Rollenspielen etwas hervor, ohne die Spielgruppe zu den nächsten Marvel’s The Avengers machen zu wollen.

Auch bei Kämpfen soll ein flotter Spielfluss beibehalten werden. Aktionen werden angesagt, entsprechend bildet jeder seinen Würfelpool und alle würfeln gleichzeitig. Das setzt allerdings voraus, dass genügend Würfel vorhanden sind, und das können je nach SpielerInnenanzahl nicht gerade wenig sein. Ist das nicht gegeben, kann das gut gemeinte beschleunigte Kampfsystem nicht angewandt werden. Die Regeln bleiben hier einfach und klar verständlich, und statten den ohnehin notwendigen Würfelpool mit weiterer Funktionalität aus. So wird zum Beispiel auch die Anzahl der Treffer bei einem erfolgreichen Angriff aus demselben Angriffswurf abgelesen. Mit den Advanced Combat Rules kann wahlweise noch etwas in die Tiefe gegangen und Komplexität erzeugt werden.

Für den Bereich Ausrüstung hat [explorers] ein funktionales und zum Setting passendes System adaptiert. Vor Missionsantritt darf sich das Team (die Charaktere der SpielerInnen) ausrüsten. Hierfür wird wie im Warhammer 40k Deathwatch-Rollenspiel mit Requisition Points gearbeitet, die sich gemäß der Herausforderung der Mission und auch nach Anzahl der SpielerInnen ergeben.

Mit diesen Requisition Points können dann Ausrüstungsgegenstände für die Mission erworben werden. Angesichts ständig wechselnder Ausrüstung (vor und womöglich auch während einer Mission) stellt [explorers] Ausrüstungskarten zur Verfügung, um aufwendiges Notieren und Korrigieren auf einem Charakterbogen zu vermeiden. Auf den Ausrüstungskarten ist zudem die Funktionsweise des jeweiligen Gegenstands erklärt. Dieses Prinzip erscheint im Hinblick auf die angedachte Anwendung ausgesprochen sinnvoll und praktisch.

Frisch aus der Klonfabrik: die Charaktererschaffung Die Charaktererschaffung in [explorers] erfolgt in vier Schritten: Charakterkonzept, Auswahl der Fertigkeiten, freie Würfelwurfwiederholungen und Anforderungspunkte für Ausrüstung. Insgesamt stehen zwanzig Punkte für die Erschaffung der Spielfigur zur Verfügung, die man bedenkenlos ausgeben sollte, da sie sonst verfallen.

Insgesamt geht die Charaktererschaffung unkompliziert und schnell vonstatten, lediglich beim Background und dem Äußeren kann man sich natürlich nach eigenem Ermessen viel oder wenig Arbeit machen. Der Charakterbogen ist schlicht und funktional aufgebaut. Er erfüllt seinen Zweck, hätte aber mit ein paar gestalterischen Ideen noch etwas aufgepeppt werden können. Mit Mission Credits (hier Abenteuerpunkte) kann die Spielfigur in den oben genannten Bereichen später verbessert und auch mit Implantaten ausgestattet werden.

„Auskoppeln in 3 … 2 … 1“: die Missionen Im dritten Teil des Regelwerkes wird grundsätzlich auf die Missionen in [explorers] eingegangen, auf die die Spielercharaktere entsandt werden können. Da hier eine klare Delegierung der zu erledigenden Aufgabe stattfindet, haben Missionen eine einheitliche Grundstruktur und beinhalten Punkte wie Briefing, Transport und natürlich Exploration.

Die einzelnen Schritte werden genauer ausgeführt, um sie inhaltlich zu verstehen. Für die Spielleitung gibt es zu jedem Schritt ergänzende Hinweise, wie beispielweise, dass das Briefing als Meeting stattfinden, aber auch über vorbereitete Handouts laufen kann. Ebenso folgen Überlegungen und Tipps zum Spielleiten: Welche Vorbereitungen sind ratsam? Wie lässt sich das Spieltempo gestalten? Wie funktionieren Improvisation und das Erzählen der Geschichte? Neulinge im Spielleiten werden hier mit grundlegenden Dingen ausgestattet, um [explorers] spielen zu können. Erfahrene GM werden diesen Teil eher überfliegen. Dennoch lohnt es sich hineinzuschauen, um spielspezifische Dinge abzugreifen (z. B. die Vergabe der Mission Credits oder was passiert, wenn eine Mission scheitert).

Großer nächster Block ist das Erstellen eigener Missionen. Im Vordergrund bei [explorers] steht das namensgebende Erkunden und Entdecken, daher müssen sich immer auch Gedanken über den Zielplaneten, Flora & Fauna, Kulturen, Bedrohungen, etc. gemacht werden. Das Creating-Mission-Chapter führt hier Schritt für Schritt durch die wichtigsten Punkte, liefert kurze, verständliche Erklärungen und auch Möglichkeiten, eine Kampagne zu gestalten.

Den Abschluss dieses Kapitels bilden drei unterschiedliche Beispielmissionen, die voll ausgearbeitet und als Startmissionen einer neuen Gruppe geeignet sind. In First Encounters wird das Team zu einem vielversprechenden erdähnlichen Planeten entsandt, auf dem eine gefährliche Entdeckung auf sie wartet. In Talk is Cheap landet das Team auf einem Planeten, der von sprechenden Tieren bewohnt wird – und einer hochreligiösen Kolonie als Überbleibsel des Ersten Imperiums. Die dritte Mission lautet Distress Signal und entsendet das Team auf eine waghalsige Rettungsmission von kostbarem Menschenleben. Hier wird schnell deutlich: Klone sind entbehrlich …

Die Missionen wirken durchdacht, abwechslungsreich und sind eine gute Möglichkeit, [explorers] kennenzulernen.

Last but not least: der Anhang Der Anhang beinhaltet wichtige, ausdruckbar gestaltete Seiten wie das Charakter Sheet, eine Übersicht für neue SpielerInnen von [explorers], Ausrüstungs- und Fahrzeugkarten oder auch ein Quick Reference Sheet. Hier gibt es dezente und schöne farbliche Gestaltung, aber auch schwarz-weiß ist das Druckergebnis sehr gut.

Ein mehrseitiger Teil widmet sich der Dice Statistics, samt Erklärung und graphischer Darstellung. Dieser Abschnitt ist nicht zwingend relevant für das Spiel und wegen seines speziellen Charakters nur für eine kleinere Zielgruppe interessant.

Eine Bereitstellung als separater Download im Sinne von Bonusmaterial wäre völlig ausreichend gewesen. Vorhanden und wichtig ist der Bereich Thoughts and Inspirations, in dem der Autor darlegt, welche anderen Werke ihn inspiriert, und stellenweise recht deutlich, wie beispielsweise bei der Ausrüstung, als Vorlage gedient haben. [explorers] bedient sich hier der Idee unter Erwähnung der Quelle, bringt aber noch eigene Umsetzungsmethoden wie die Ausrüstungskarten mit. Dieses Vorgehen erscheint in dieser Form legitim.

Object Scan: das Erscheinungsbild Für diesen Ersteindruck lag das Werk als PDF-Datei vor. Es ist vollfarbig, hat allerdings nur wenig Artwork vorzuweisen. Die Bilderqualität ist bezüglich Farben und künstlerischer Gestaltung durchwegs gut. Das Werk hat 177 Seiten, eine klar strukturierte Kapitelübersicht und Index am Schluss. Die Textgestaltung ist ohne Mängel: Alles lässt sich durchwegs gut lesen, an passenden Stellen wurden mittels der Layoutgestaltung einzelne Passagen wie GM-Tips separiert und hervorgehoben.

Bonus/Downloadcontent Wer das Equipment-Card-Deck nicht ausdrucken will, kann es hier beziehen. Auf der Website zum Spiel gibt im Downloadbereich z. B. Character Sheets und Gamemaster Sheets, aber auch einen Mission Timer und Planet Generator.

Fazit Mit [explorers] bekommt man ein Science-Fiction-Rollenspiel, in dem die SpielerInnen Klone verkörpern. Jene Klone werden auf gewagte Missionen entsandt, die sich nicht nur um das Erkunden neuer Welten drehen müssen. Es gibt genügend Spielraum sowohl im Setting als auch im Missionsaufbau, abwechslungsreiche Einsätze zu gestalten. Vorgesehen sind Stand-alone-Abenteuer, jedoch ist es auch möglich, eine Kampagne zu spielen.

Das dystopisch anmutende Setting wird ausreichend dargelegt, um einen Eindruck der Gesellschaft zu bekommen, geht aber nicht sonderlich in die Tiefe oder ins Detail. Dadurch bleiben Fragen, aber auch Freiheiten für die Spielleitung. Als Würfelsystem werden zehnseitige Würfel in zwei verschiedenen Farben empfohlen, aus denen bei Proben Würfelpools gebildet werden. Die Regeln sind eingängig und verständlich erklärt. Sie treffen auf einer Skala von schlicht bis komplex gut die Mitte. Auch das Kämpfen wird möglichst unkompliziert abgebildet, da auch hier, wie insgesamt immer wieder betont wird, das Erzählen einer Geschichte im Vordergrund stehen soll.

Die Charaktererschaffung ist zügig erledigt, lediglich der Charakterbogen könnte optisch etwas mehr Ambiente abbilden. Um als SpielleiterIn Missionen zu erschaffen, gibt es ein ausführliches Kapitel samt Leitfaden, der eine klare Struktur hierfür vorschlägt. Enthalten sind drei voll ausgearbeitete unterschiedliche Missionen, die sich als Einstieg gut eignen.

Der Anhang liefert spielrelevantes Material wie Charakterbögen und Ausrüstungskarten, aber auch eine Quellenangabe von Werken, die hier adaptierte Ideen beinhalten. Layout und Gestaltung des Regelwerks sind tadellos und wirken professionell. Der Preis ist vollkommen in Ordnung, wirkt sogar eher günstig im Hinblick auf den inhaltlichen Umfang, bei dem nichts fehlt, um gleich losspielen zu können.

Für diesen Ersteindruck lag die PDF-Ausgabe vor. Er basiert auf dem Lesen des Werkes, dem Erstellen eines Charakters sowie Ausprobieren des Würfelsystems. Ein Spieltest ist nicht geplant.



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